Kommentar zum Massaker von Orlando
Die Pest der Schusswaffen hat nicht nur die USA befallen

Und wieder blicken wir fassungslos in die USA. Das Land, das in furchtbarer Regelmäßigkeit von den Auswirkungen seiner Schusswaffenseuche erschüttert wird. Über die Motive, die die Täter dazu trieb, Leben auszulöschen, wird spekuliert - Schwulenhass mit religiöser Motivation auf der einen, geistige Verwirrung auf der anderen Seite? Es spielt eigentlich auch gar keine Rolle. Diese Männer töteten, weil sie es wollten. Und weil die Vereinigten Staaten es ihnen so schrecklich leicht gemacht haben, an Waffen und massig Munition zu kommen.

Die US-Waffenlobby hat sich sogar nach den Massakern an Schülern in Springfield, Littleton oder Newtown dem Druck der Politik weitgehend entzogen. Dabei waren Schock und Empörung in der Öffentlichkeit scheinbar schwächer als der Stolz in großen Teilen der Bevölkerung, dass das Recht auf Waffenbesitz durch die Verfassung quasi unantastbar ist. Barack Obama ist kein Stich gegen die Waffenfanatiker gelungen, und sollte ihm Hillary Clinton ins Weiße Haus nachfolgen, dürfte auch sie sich die Zähne an der mächtigen National Rifle Association ausbeißen. Und Trump? Dem ist nicht zuzutrauen, dass er an diesen Zuständen überhaupt etwas ändern will.

Mangelnde Kontrolle von Schusswaffen ist aber kein alleiniges Problem der USA. Auch den islamistischen Terroristen der Anschläge von Paris war es offenbar erschreckend problemlos gelungen, sich mit Gewehren und Kugeln einzudecken. Dass die EU-Länder das Waffenrecht verschärfen wollen, ist daher ein löblicher Ansatz - mehr aber auch nicht. Sicherheits- und Polizeibehörden weltweit müssten endlich gemeinsam den Kampf gegen diese Seuche aufnehmen.

frank.stuedemann@derneuetag.de
1 Kommentar
Frank Stüdemann aus Weiden in der Oberpfalz | 12.06.2016 | 23:05  
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