Kommentar zum Nato-Gipfel
Der Westen und Russland: Beide brauchen einander

Auch wenn es um viele Themen ging und es viele Beschlüsse gegeben hat, so kreiste der Nato-Gipfel vor allem um das Thema Russland. Auch wenn er nicht vor Ort war, so war Präsident Wladimir Putin in Warschau doch allgegenwärtig.

Keine Frage: Der Westen braucht Russland, sei es als Lieferant von Rohstoffen wie Öl, Gas oder Holz, sei es als Partner im schwierigen und vermutlich langwierigen Kampf gegen den islamistischen Terrorismus. Aber ebenso braucht Russland auch den Westen: als Lieferant von Technologien oder als zahlungskräftigen Abnehmer seiner Rohstoffe - und ebenfalls als Partner im Anti-Terror-Kampf. Denn der Islamismus macht vor Russland nicht halt. Deshalb ist mit Säbelrasseln und markigen Worten niemandem gedient.

So ist auch Michail Gorbatschows Vorwurf, die Nato bereite einen "heißen" Krieg, einen Waffengang gegen Russland vor, Stimmungsmache. Denn auch der Friedensnobelpreisträger weiß: Es war Russland, das seine Soldaten in ein Nachbarland, die Ukraine, einmarschieren ließ, ohne dass es von diesem Land angegriffen worden wäre. Und es war Russland, das Teile dieses Nachbarlandes besetzt hält.

Dass das westliche Militärbündnis seinen Mitgliedern Beistand zusichert und mit der Stationierung von Truppen zu beruhigen versucht, ist angesichts dessen, was in der Ukraine geschehen ist, normal. Ebenso normal sollte es sein, dass beide Seiten versuchen, die Lage zu beruhigen. Notwendig dazu ist zuallererst eine verbale Abrüstung - auf beiden Seiten. Ob es dazu kommt, wird sich am Mittwoch beim Treffen des Nato-Russland-Rates zeigen.

martin.bink@derneuetag.de
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