Kommentar zum Rechtspopulismus
Schüren von Ressentiments gefährdet Zukunft des Westens

Die Saat des Ressentiments ist auch in den USA aufgegangen. Allerdings fährt nicht ein Vertreter der rechts-populistischen Tea Party die Ernte ein, sondern Seiteneinsteiger Donald Trump. Der Populist hat Tea-Party-Mann Ted Cruz in die Schranken gewiesen. Nun ist er Präsidentschaftkandidat der Republikaner. Ihm gelingt es, auf der von den Tea-Party-Teilen der Republikaner geweckten Welle von Vorurteilen gegen die Politik, die politischen Prozesse, vor allem aber gegen das Establishment in Washington zu surfen.

Trump bedient die utopische Sehnsucht vieler Amerikaner nach der heilen Welt, nach einem starken Helden, der das Land in diese Welt führt. Tatsächlich taugt sein ungebändigter Nationalismus, seine Überhöhung der Nation dazu, die USA zurück in die 1930er Jahre zu führen - mit Protektionismus, Ablehnung von vermeintlichen Anderen und viel Hass.

Im alten Europa schüren rechtspopulistische Bewegungen und Parteien schon seit Jahren Ressentiments, um nach der Macht zu greifen oder diese zu verteidigen - von der französischen Front National, über die ungarische Fidesz eines Viktor Orbán bis hin zur deutschen AfD. Sie nutzen den Groll, den viele wegen vorgeblich erlittener Ungerechtigkeit oder Zurücksetzung empfinden.

Der starke Mann, dem die Herzen der Rechtspopulisten in Europa zufliegen, pflegt ein infantiles Männerbild. Er ringt gern mit nacktem Oberkörper mit dressierten sibirischen Tigern und bediente bereits, als er noch in der Stadtverwaltung von St. Petersburg arbeitete, völkische Chiffren. Heute verkörpert Wladimir Putin als russischer Präsident für die europäischen Rechtspopulisten mit seiner Idee einer von Russland dominierten europäischen Sicherheitsarchitektur das Versprechen auf ein Ende der vermeintlichen amerikanischen Hegemonie. Und auch Trump hat viele warme Wort für Putin.

Das Betonen des "Wir", die Überhöhung der Nation und das Beschwören einer imaginären Reinheit des Volkes führt zur Ablehnung anderer, angeblich Fremder. Am Ende steht die Aussonderung von Menschen. Das ist mit der freiheitlichen Demokratie und mit der Achtung der Menschenwürde, die den Kern des Westens ausmachen, unvereinbar. Diesseits und jenseits des Atlantiks gilt es, dies in den politischen Debatten klar zu benennen.

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