Kommentar zum Rückzug der Verfassungsklage
Warum Horst Seehofer gerne die Weichen stellt

Angela Merkel als Playmobil-Figur. Die Kanzlerin steht am Bahnhof in Bonn und wartet. Eine Szene in Horst Seehofers Keller, auf seiner fast 20 Quadratmeter großen Modellbahn-Anlage (Spur H0). Ein Besuch im Ferienhaus des Ministerpräsidenten im Altmühltal gewährt tiefe Einblicke. Zu sehen war das Privatleben des CSU-Lokführers am Dienstagabend in der ARD-Sendung "#Beckmann: Horst Seehofer und der neue Rechtsruck in Deutschland".

In der Tat stellt der Ingolstädter Politiker gerne die Weichen, nicht nur in seinem Keller. In der Flüchtlingspolitik hat Seehofer zunächst das Signal auf Rot in Richtung Kanzlerin gestellt. Jetzt sieht es wieder nach einer gemeinsamen Weiterfahrt aus. Bayern legt die angedrohte Verfassungsklage auf Eis, im Gegenzug werden die Kontrollen an der österreichischen Grenze beibehalten und ausgeweitet.

Seehofers Drohgebärden haben also Wirkung gezeigt. Seine Muskelspiele werden kaum nachlassen, je näher die Bundestagswahl 2017 rückt. Bayern und die CSU zuerst, lautet sein Motto. Kaum denkbar allerdings, dass der Landesvater wie angedroht tatsächlich als Spitzenkandidat antreten wird - und dann doch nicht in Berlin seine Zelte aufschlägt. Diesen "Drehhofer" könnte selbst er nicht vermitteln.

Auch ein angedachter eigener Wahlkampf gegen die CDU wäre ein Himmelfahrtskommando für die CSU. "Jetzt geht es um die Zukunft Deutschlands und nicht um parteiinterne Nebenkriegsschauplätze", mahnt schon mal die Junge Union. Denn bei einem Schwestern-Krieg wird es vor allem einen Sieger geben: die AfD. Modelleisenbahn-Fan Seehofer dürfte diese Signale kaum übersehen. Nicht, dass Seehofer am Ende noch ungebremst gegen einen Prellbock knallt.

frank.werner@derneuetag.de
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