Kommentar zum Samsung-Debakel
Bremsspur für die ganze Branche

Was für ein Debakel: Samsung zieht die Notbremse und stoppt die Produktion des Galaxy Note 7. Die heile Handy-Welt liegt in Trümmern. Nach den brennenden Akkus ist beim südkoreanischen Giganten mächtig Feuer unterm Dach. Für die Konkurrenz ist das aber kein Grund zum Frohlocken. Es ist ein Schlag für die gesamte Branche.

Immer schneller, immer besser: Das Tempo auf dem Handy-Markt scheint keine Grenzen mehr zu kennen. Besonders das Hochpreis-Segment ist umkämpft. Satte 850 Euro kostet das Note 7. Oder besser: kostete es. Es wurde extra früh auf den Markt geworfen, um Apple mit dem I-Phone 7 auszubremsen. Was für eine Bruchlandung.

Haben die ehrgeizigen Südkoreaner geschlampt? Schnelligkeit über Sicherheit gestellt? Dass Handy-Akkus kein harmloses Spielzeug sind, ist nicht neu. Aber der Nutzer verlässt sich selbstverständlich darauf, dass die Geräte keine Gefahr darstellen.

Offenbar hat das hemmungslose Wettrennen um immer leistungsfähigere Geräte zum Akku-Gau geführt. Technik-Fortschritt ohne Grenzen? Die Samsung-Not mit dem Note 7 ist ein Warnschuss für die gesamte IT-Branche.

In Südkorea war der Druck auf die Mitarbeiter offenbar besonders groß. Verlieren ist ein Fremdwort für die Mega-Unternehmen dort - wie LG oder Hyundai. Die Entscheidung von Samsung, das Feuer-Handy komplett vom Markt zu nehmen, ist völlig richtig. Das Vertrauen der Kunden wieder zu gewinnen, geht nicht mit noch mehr Tempo - sondern mit Geduld und Offenheit.

frank.werner@derneuetag.de
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