Kommentar zum Schlachtfeld Internet
Im Cyber-Krieg verschwimmt Einsatz im Inneren und Äußeren

Es dürfte nicht lange dauern, bis die ersten Spötter über den neuen Werbeslogan der Bundeswehr für den digitalen Krieg herfallen. Verkündete im Jahr 2001 der damalige Bundesverteidigungsminister Peter Struck (SPD) noch: "Deutschlands Freiheit wird auch am Hindukusch verteidigt", heißt es nun bei Ursula von der Leyen (CDU) "Deutschlands Freiheit wird auch im Cyberraum verteidigt".

Schon Struck Satz, so eingängig er auf den ersten Blick schien, konnte viele hierzulande nicht überzeugen. Für den Slogan der nun unter von der Leyen kreiert wurde, gilt dies umso mehr. Wie alle Streitkräfte bemüht sich auch die Bundeswehr seit Jahrzehnten darum, die eigene Kommunikation zu schützen und die des Gegners zu stören. Elektronische Aufklärung gehörte schon im Vor-Digitalen Zeitalter zum Handwerkszeug der Armee.

Angesichts der zunehmenden Digitalisierung wäre es unverständlich und unverantwortlich, wenn die Bundeswehr dies nicht weiterhin tun würde. Es wird eben auch beim Militär nicht mehr analog kommuniziert, sondern digital - wenngleich die deutschen Streitkräfte weit hinter der US-Armee herhinken. Der Rückstand lässt sich durch entsprechende Aufrüstung aufholen. Das Problem ist ein anderes.

Unstrittig ist, dass die Bundeswehr ihre eigene digitale Infrastruktur schützt. Dies gilt in Friedenszeiten, im Krieg ohnehin. Für die künftig im Cyber-Bereich eingesetzten 13 500 Soldaten und Zivilisten ist allerdings immer Krieg. Bereits heute, im Frieden, gibt es Angriffe auf das Bundeswehrnetz - etliche dürften sich zu Staaten verfolgen lassen. Darf die Bundeswehr diese Aufklärung betreiben? Sollen deutsche Cyber-Soldaten digital in Russland oder China agieren, um übliche Verdächtige zu nennen?

Zudem verschwimmen Einsätze im Inneren und Äußeren. Eine Trennung, die das Grundgesetz bisher vorsieht. Bei manchen digitalen Angriffen, dürfte sich erst nach längerem Analysieren herausstellen, dass er nicht nur die militärische Infrastruktur zum Ziel hatte, sondern auch die behördliche. Die Diskussion ist eröffnet, und sie wird angesichts der Dynamik durch die Digitalisierung nicht so schnell enden.

___



E-Mail an den Autor:

alexander.pausch@derneuetag.de
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.