Kommentar zum Schlag gegen die islamistische Szene
IS-Aussteiger die glaubwürdigste Anti-Terror-Kampagne

Fünf mutmaßliche IS-Rekrutierer ließ die Bundesanwaltschaft am Dienstag festnehmen. Einer der Beschuldigten, der Hildesheimer Prediger "Abu Walaa" soll maßgeblich dazubeigetragen haben, dass sich rund 20 Islamisten radikalisierten und sich dem IS anschlossen. Der Durchbruch bei den Ermittlungen gelang den Behörden nach ersten Erkenntnisse wohl vor allem deshalb, weil ein IS-Rückkehrer "Abu Walaa" schwer belastet hat.

Dieser jüngste Schlag gegen die islamistische Szene zeigt erneut deutlich, wie schwierig und aufwändig Ermittlungen gegen terroristische Vereinigungen sind. Sie haben die Arbeit im Untergrund, die Verschlossenheit nach außen nahezu perfektioniert. Züge professioneller PR-Arbeit trägt zudem die Anwerbung des Nachwuchses. Der Islamische Staat versucht zu emotionalisieren, wirbt mit Coolness, bedient sich zudem sämtlicher digitalen Kanäle. Der "Jihad" als Event, beworben nicht nur auf Youtube, Facebook, Twitter, sondern vermehrt auch auf Messenger-Diensten. Durchaus garniert mit Kochrezepten und Eheberatung. Eine Strategie, die viel zu oft aufgeht. Dass der IS kein Bollywood, kein Hollywood und kein Sportwettkampf ist, merken manche erst im Ausbildungslager oder im Feuergefecht irgendwo in Syrien. Diese Aussteiger sind wertvolle Informanten.

Noch wichtiger aber sind sie für die Prävention - als leibhaftige Botschafter und Mahner, die darüber aufklären, was der IS wirklich ist - eine Terrororganisation. Sie können in die islamischen Gemeinden gehen und erzählen, welche Gräueltaten und welches Leid der IS selbst Muslimen zufügt. Aussteiger sind die glaubwürdigsten IS-Entzauberer.

alexander.raedle@oberpfalzmedien.de
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