Kommentar zum Selbstmordanschlag in Istanbul
Gegen den IS-Terror hilft nur eine Achse der Vernunft

Selbstmordattentate sind die schärfste Waffe des Extremismus gegen Demokratien. Unberechenbar, nur schwer zu verhindern und mit fataler Wirkung - denn sie reißen nicht nur unschuldige Menschen in den Tod, sondern erzeugen zudem Panik. Wer immer hinter dem Anschlag in Istanbul steckt: Je größer die Hysterie, die er erzeugt, desto größer der propagandistische Erfolg.

Ob der Attentäter auf der Touristenmeile zwischen Blauer Moschee und Hagia Sophia bewusst Deutsche treffen oder dem Regime Erdogan schaden wollte, ist noch offen. Übergeordnetes Ziel der Terroristen ist es, feindliche Staaten zu destabilisieren und eigene Anhänger zu mobilisieren. Die Propagandalüge der Islamisten lautet: Moslems werden in westlichen Demokratien diskriminiert und gedemütigt. So will der IS den inneren Frieden zerstören. Über die Exzesse von Köln und die Gegengewalt von Pegida reiben sich die Ideologen die Hände.

Dass die Türkei wieder zum Schlachtfeld wird, hat sich die Regierung selbst zuzuschreiben. Erdogan hat den kalten Konflikt mit der PKK ohne Not befeuert und den IS gewähren lassen. Damit legte er selbst Lunte an die Sprengsätze, die jetzt losgehen. Die EU, USA, Türkei und Russland haben es gemeinsam in der Hand, das Chaos im Nahen Osten, zu dem sie beitrugen, wieder einigermaßen zu ordnen - zur Abwechslung als Achse der Vernunft. Und könnten so die Ursache für Massenflucht an der Wurzel packen.

juergen.herda@derneuetag.de
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