Kommentar zum SPD-Parteitag
Eine Blamage für Sigmar Gabriel

Welche Blamage für die SPD, noch mehr aber für Sigmar Gabriel. Ein derart schlechtes Ergebnis hat sogar Gerhard Schröder im April 1999 mit knapp 76 Prozent nur annähernd erreicht - nach dem Bruch Oskar Lafontaines mit der SPD. Nur ein halbes Jahr später hatte Schröder wieder aufgeholt. Selbst bei seiner letzten Kandidatur 2003 - damals schon unter dem Eindruck der Agenda 2010 - kam Schröder immerhin auf 80,8 Prozent. Gabriels 74,3 Prozent sind nicht nur angesichts der Streitthemen und der weltpolitischen Lage relativ wenig, sondern eine Katastrophe.

Doch Gabriel hat das Ergebnis nach seiner Art aufgenommen. Es sei mit Dreiviertel-Mehrheit entschieden worden. "Und so machen wir es jetzt auch", sagt er. Es klingt wie Schröders Basta. Gabriel lässt sich also nicht kirre machen. Darum bittet er auch seine Genossen, die unter den schlechten Umfragewerte von 25 Prozent leiden. Noch mehr als unter den Umfragen leiden offenbar viele unter Gabriel. Johanna Uekermann, Vorsitzende der Jusos, warf Gabriel vor, unglaubwürdige Politik zu machen. Mit der Auffassung steht sie nicht alleine. Das Kernproblem: Viel zu oft hat sich die SPD von ihren Grundsätzen verabschiedet. Viele nehmen ihr das Soziale im Namen nicht mehr ab.

Gabriel hat offenbar den Ernst der Lage noch nicht erkannt. Sonst würde er Uekermann nicht beleidigt entgegenwerfen, sie müsse ihn ja nicht wählen, wenn sie nicht zufrieden sei. Der Vorsitzende und seine Partei - da prallen inzwischen zwei Welten aufeinander.

alexander.raedle@derneuetag.de
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