Kommentar zum "Super Tuesday"
Jetzt kommt die Zeit der Häutungen

US-Vorwahlen folgen ihren eigenen Gesetzen. Das Ausleseverfahren ist unerbittlich. Wer aus dem "Super Tuesday" als Favorit hervorgeht, hat zwar noch nicht gewonnen, aber eine wichtige Hürde genommen. Seit Mittwoch gilt das für Hillary Clinton und Donald Trump. Clinton liegt um 144 Delegiertenstimmen vor ihrem Konkurrenten von links, Bernie Sanders. Trump hat 146 Delegiertenstimmen Vorsprung vor Ted Cruz. Das ist noch kein Sieg, aber die halbe Miete.

Nun kommt die Phase der Häutungen. Hillary Clinton wird vorübergehend ein Stück nach links rücken, um ihrem Widersacher Bernie Sanders den Wind aus den Segeln zu nehmen. Ist Sanders hoffnungslos abgeschlagen, wird Clinton wieder Richtung Mitte rücken. Ähnliches gilt im Prinzip auch für Trump, wobei der Multimilliardär sich etwas schwerer tut als Clinton. Nicht nur, weil Trump es immer noch mit vier Mitbewerbern zu tun hat. Der Quereinsteiger hat vor allem damit zu kämpfen, dass das Establishment der Republikaner sich schwerlich anfreunden kann mit dem egozentrischen, rüpel- und sprunghaften Kandidaten. Trump wird deshalb in nächster Zeit etwas gemäßigter daherkommen - bis sich das Bewerberfeld weiter gelichtet hat und es für die Parteiführung endgültig zu spät ist, um den Selbstläufer Trump noch zu verhindern.

Möglicherweise ist es dafür schon jetzt zu spät. Dann bliebe nur noch die Hoffnung, dass Trump im Duell mit Clinton über seine Maßlosigkeit und seinen Populismus stürzt. Wenn Trump ins Weiße Haus will, wird auch er sich häuten müssen. Denn sein größter Feind ist nicht Hillary Clinton, sondern er selbst. Trump, so wie er jetzt ist, mag Vorwahlen gewinnen, aber US-Präsident wird er nicht.
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