Kommentar zum Tag der Deutschen Einheit
Deutschland im Herbst 2016 –- ein zerrissenes Land

Es ist unruhig in der Republik. Die politischen Gräben sind so tief wie lange nicht. Deutschland im Herbst 2016 - eine frostige Nation. Der Tag der Deutschen Einheit wird am Montag in Dresden in einem Klima der Angst gefeiert. Nach den Sprengstoffanschlägen gibt es Sicherheitsmaßnahmen wie nie zuvor. Die Innenstadt komplett gesperrt - Partylaune in "Elbflorenz" an dem historischem Datum quasi ausgeschlossen.

Unruhe überall. Am nationalen Flüchtlingstag am Freitag rufen die Ehrenamtlichen um Hilfe. Sie drohen mit Warnstreiks, sie fühlen sich in ihrer Arbeit torpediert. Und dazu als Gutmenschen oder Willkommensklatscher verhöhnt. Diese Helfer haben keine Lobby. Dabei bräuchte die Politik ohne diese Freiwilligen das Wort Integration erst gar nicht in den Mund zu nehmen.

Der gesellschaftliche Riss bekommt am Samstag in der Oberpfalz ein Gesicht. AfD-Vorsitzende Frauke Petry spricht in Rieden. Um die Kundgebung der Partei wurde vor Gericht gestritten. Die AfD gewann - wie fast immer derzeit. Die Frage, wie man mit den Rechtspopulisten umgehen soll, spaltet das demokratische Lager. Mit Leuten reden, die Hetzparolen verbreiten? Menschen ernst nehmen, die in Wahrheit eine andere Republik wollen?

Die bittere Erkenntnis: Es bleibt nichts anderes übrig, als mit ihnen zu sprechen. Ausgrenzung macht die AfD noch stärker. Die Partei ist das Symbol für Spaltung. Die vermeintlichen Verlierer haben jetzt eine politische Heimat. Von einer sozialen Einheit ist Deutschland im Herbst 2016 so weit entfernt wie lange nicht.

frank.werner@derneuetag.de
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