Kommentar zum Terroralarm in Chemnitz
Die Sicherheitsbehörden folgen einer erfolgreichen Strategie

Erneut haben die deutschen Sicherheitsbehörden das Glück der Tüchtigen auf ihrer Seite. Und mit ihnen die Bevölkerung. Der mutmaßliche Terrorist aus Chemnitz ist rechtzeitig dingfest gemacht worden, ehe er seine Anschlagspläne in die Tat umsetzen konnte. Auch dank der beherzten Hilfe durch drei syrische Landsmänner in Leipzig. Diese bewiesen Zivilcourage, hielten den 22-jährigen Verdächtigen fest und riefen die Polizei. Mutig und mustergültig.

Der Fall belegt, dass es Verfassungsschutz und Polizei im Zusammenspiel gelingt, mutmaßliche Terrorverdächtige im Blick zu behalten. Trotz der Sprachbarriere. Dabei dürfte auch die elektronische Überwachung der Auslandskommunikation durch den Bundesnachrichtendienst und Partnerdienste helfen. Auch wenn dies wohl kaum bestätigt werden wird. Geheimdienste und Sicherheitsbehörden wollen sich hier nicht in die Karten blicken lassen, um niemanden zu warnen.

Der Fall zeigt aber auch, was das Bundesinnenministerium seit längerem betont. Deutschland steht unverändert im Fadenkreuz der internationalen Terroristen. Das zeigten Ansbach, Würzburg, das zeigt nun Chemnitz. Allerdings nimmt die Gefährlichkeit zu. Der Verdächtige hantierte mit Triacetontriperoxid, kurz TATP. Der Stoff ist hochexplosiv - und bislang schwer zu entdecken.

Chemiker rund um den Erdball suchen nach Möglichkeiten TATP aufzuspüren. Denn der Sprengstoff ist seit langem bei Terroristen beliebt. Er wurde vom britischen Schuh-Bomber Harry Reid im Dezember 2001 bis zu den IS-Selbstmordattentätern von Paris im November 2015 verwendet.

Ob es allerdings angesichts knapper Ressourcen hilft, rückwirkend alle Flüchtlinge zu überprüfen, wie hierzulande einige fordern, ist zweifelhaft. Das dürfte zu viel Personal binden. Besser ist es, dass Verfassungsschutz und Polizei weiter ihre bisher schon erfolgreichen Strategien verfolgen können.

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