Kommentar zum Thema Terrorismus
Etappensiege zählen nicht

Terroristen lebend zu fassen, ist so gut wie ausgeschlossen - als Selbstmordattentäter reißen sie ihre Opfer mit sich in den Tod, oder sie sterben im Kugelhagel der Polizei. Zurück bleiben verzweifelte Angehörige und viele offene Fragen. Umso größer die Erleichterung, als jetzt mit Salah Abdeslam einer der mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge von Paris in Belgien dingfest gemacht wurde.

Von ihm erhoffen sich nun nicht nur die Ermittler in Frankreich genauere Einblicke hinter die Kulissen des islamistischen Terrors in Europa. Dass Abdeslam offenbar seinen Sprengstoffgürtel wegwarf und sich dafür entschied, am Leben zu bleiben und zu flüchten, wirft Fragen auf. Hatte er noch größere mörderische Pläne, die er nach Paris verwirklichen wollte? Oder hatte er schlicht und ergreifend im entscheidenden Moment Angst vor dem Tod?

So oder so: Der 26-Jährige muss jetzt für seine Taten büßen. Und sollte er kooperieren, könnte er wertvolle Informationen zu bieten haben, die am Ende helfen, Menschenleben zu retten.

Für die Opfer in der Türkei kommt das zu spät. Wieder hat sich offenbar ein IS-Sympathisant in einer Menschenmenge in die Luft gejagt. Im Wechsel mit Splittergruppen der verbotenen Arbeiterpartei PKK erhöhen die islamistischen Terroristen den Druck auf das Land, und es steht zu befürchten, dass Präsident Erdogan bei künftigen Gegenmaßnahmen wenig Rücksicht auf die Rechte der Zivilbevölkerung nehmen wird. Das Wochenende jedenfalls erinnert uns daran, dass der Kampf gegen den Terrorismus ein Marathonlauf ist, bei dem Etappensiege leider bedeutungslos sind.

frank.stuedemann@derneuetag.de
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