Kommentar zum Tod des kubanischen Revolutionsführer
Die Geschichte kann Fidel Castro nicht freisprechen

Fidel Castro, der kubanische Revolutionär mit Zigarre, olivgrüner Uniform und markantem Bart, war in den fünf Jahrzehnten vor der Machtübergabe an seinem Bruder Raúl eine der schillernsten Figuren der Weltgeschichte. Wie sein zeitweiliger Mitstreiter Ernesto "Che" Guevara gilt Fidel Castro als eine Ikone der internationalen Linken. Doch wer die rosarote Brille der Heldenverehrung absetzt und beiseitelegt, der erkennt: Auch Fidel ist gescheitert.

"Die Geschichte wird mich freisprechen" meinte der vor Jahrzehnten. Aber mit dem Freispruch wird es wohl nichts werden. Das kann, das muss man schon heute sagen. Denn der Mann, der sich schon früh gegen Ungleichheit und Unterdrückung zur Wehr gesetzt hat, hat seine Vision einer gerechteren, besseren Welt mit Unterdrückung und Ungleichheit in die Tat umgesetzt. An die Stelle der Diktatur des Tyrannen Fulgencio Batista, der an Silvester 1958 aus Kuba floh, trat die Diktatur Castros.

Die Folge: Hundertausende Kubaner suchten ihr Heil in der oft lebensgefährlichen Flucht aus ihrer Heimat. Ein deutlicheres Misstrauensvotum gegen politische Machthaber gibt es nicht.

Die Frage, die sich alle stellen, lautet: Was kommt jetzt? Raúl Castro wagte - seit er die Macht inne hat - kleine Schritte der Öffnung. Und Barack Obama streckte die Hand zur vorsichtigen Annäherung aus. Doch was wird Donald Trump, wenn er ab 20. Januar 2017 im Weißen Haus sitzt, machen? Wird er die Chance nutzen, dem beinahe ausgebluteten Kuba zu neuem Leben zu verhelfen? Und wird Raúl Castro bereit sein, diese Hand zu ergreifen?

So könnte die Vision einer - zumindest etwas - besseren Welt wenn auch mit Verspätung Realität werden. Das wäre zu wünschen. Und in der Vorweihnachtszeit dürfen Wünsche geäußert werden.

martin.bink@oberpfalzmedien.de
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