Kommentar zum Treffen von Putin und Erdogan
Als Sieger zeigt sich Putin gegenüber Erdogan großzügig

Wladimir Putin ist auf der Siegerstraße. In Syrien hat die russische Armee zum ersten Mal seit dem Jahr 1980 einen Stellvertreterkrieg gegen von den USA unterstützte Milizen gewonnen. Zumindest für jetzt. Bislang ist Russland auch nicht im Sumpf der syrischen Gewalt versunken, was viele vor einem Jahr vorhergesagt hatten.

Im Gegenteil: Der russische Präsident hat alle seine Ziele erreicht. Es gelang, dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad den Rücken zu stärken. Russland behält seine Flottenbasis am Mittelmeer, im syrischen Tartus. Das syrische Schlachtfeld erweist sich zudem aus Sicht russischer Rüstungsfirmen als ausgezeichnetes Testgelände für russische Waffen - ein Verkaufsargument.

Vor allem aber: Auch der amerikanische Präsident Barack Obama muss sein russisches Gegenüber wieder ernst nehmen, obwohl er Russland noch vor zwei Jahren als Regionalmacht bezeichnet hat. Angesichts der mit Rücksichtslosigkeit gegenüber der Zivilbevölkerung geführten Schlacht um Aleppo sieht die ganze Welt, dass die Syrien-Politik Obamas gescheitert ist. Der starke Mann im Weißen Haus hat das Schachspiel der Supermächte um Syrien verloren, dem er sich verweigern wollte.

Das hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan als Erster begriffen. Denn unter den Bombardements der russischen Kampfflugzeuge mussten nicht nur die US-Verbündeten vor den Truppen Assads zurückweichen, sondern auch die Kräfte, die Ankara über Jahre gestützt hat. So fällt es dem russischen Präsidenten leicht, nachsichtig zu sein und Erdogan an seinem Hof zu begrüßen. Zumal letzterer weidlich ausnutzt, dass in Europa der Putschversuch in der Türkei zu zögerlich verurteilt worden ist.

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