Kommentar zum Überfall von RAF-Terroristen
Gleiche Strategie, neues Motiv

Zwei Männer und eine Frau überfallen an einem Supermarkt einen Geldtransporter. Ein halbes Jahr später stellt sich heraus: Das Trio gehörte der längst aufgelösten Rote-Armee-Fraktion (RAF) an. Ermittler ordnen bei dem Überfall hinterlassene DNA Daniela Klette, Volker Staub und Burkhard Garweg zu. Sie gehören der letzten RAF-Generation an, auf deren Konto Anschläge wie der Mord an Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen oder Treuhand-Chef Detlev Karsten Rohwedder gehen sollen. Nun also auch wieder RAF-Terror?

Der Überfall in Niedersachsen trägt tatsächlich deutlich die Handschrift der RAF. Autos als Barrieren, ein Fluchtauto, Kalaschnikows, eine Panzerfaust - und vor allem ein routinierter Rückzug in aller Ruhe, als den Tätern klar geworden war, dass sie nicht an die Beute im Geldtransporter kommen. Allerdings blieben die beiden Personen im Transporter unverletzt. Ein Indiz dafür, dass der Überfall nichts mit der linken RAF-Ideologie zu tun hat. Die RAF bombte und mordete gegen den Staat, das System, seine Vertreter und seine Symbole. Hier schien es nur um den schnöden Mammon gegangen zu sein. Seit Jahrzehnten stehen Klette, Staub und Garweg auf den Fahndungslisten. Seit Jahrzehnten leben sie im Untergrund. Und das ist kostspielig. Experten gehen davon aus, dass bei den RAF-Leuten mittlerweile ganz einfach das Geld knapp geworden ist. Deshalb der Überfall.

Das kriminelle Wissen, solche Straftaten durchzuziehen, besitzen RAF-Veteranen dank jahrzehntelanger terroristischer Erfahrung. Nur das Motiv ist inzwischen ein anderes.

alexander.raedle@derneuetag.de
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