Kommentar zum Unionsstreit
Horst Seehofer spielt mit dem Feuer

Horst Seehofer ist ein Meister darin, Eskalationsspiralen subtil weiterzudrehen. Jetzt droht der Ministerpräsident mit einem Ausstieg der CSU aus der Union. Für diese Partnerschaft gebe es keine "Ewigkeitsgarantien", so Seehofer. Die Attacken gegen Angela Merkel erreichen einen neuen Höhepunkt.

Die Kanzlerin wird die Muskelspiele aus München gelassen zur Kenntnis nehmen. Denn für Seehofer steht bei einem Ausscheren aus der Koalition seine Macht in Bayern auf dem Spiel - und die Existenz seiner Partei überhaupt. Natürlich könnte er mit einem bundesweiten Auftritt die AfD klein halten. Das zeigen die Umfragen. Das Risiko, dass die CDU dann in Bayern antritt und liberale Christsoziale anlockt, wäre aber groß. Und Seehofer geht es bei seinen Machtspielen in erster Linie um den Erhalt der absoluten Mehrheit im Freistaat.

Der "Geist von Kreuth" spukt immerhin seit 40 Jahren. Franz Josef Strauß machte nie Ernst - auch Seehofer wird den Teufel tun und tatsächlich die Union verlassen. Denn im Alleingang sind Frauke Petry und Co. ebenso wenig zu bekämpfen wie mit Unionsgezänk.

Mit seinen Drohgebärden und seiner Stimmungsmache gegen Merkel wird Seehofer also nur eines erreichen: ein weiteres Erstarken der AfD. Er spielt mit dem Feuer. Sein Ehrgeiz, die absolute Mehrheit in Bayern zu verteidigen, darf nicht zu einem Flächenbrand führen.

frank.werner@derneuetag.de
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