Kommentar zum Unwort des Jahres 2015
Von guten und nicht ganz so guten Menschen

Nach "Lügenpresse" nun also "Gutmensch"- wie im Vorjahr kommt das Unwort des Jahres der Gesellschaft für deutsche Sprache aus dem rechtspopulistischen Umfeld. Aus Bereichen, die eher mit dumpfen Parolen und billigen Schlagworten bei komplexen Problemen aufwartet, als mit linguistischen Perlen. Von Pegida und AfD, deren Langnamen per se ein inhaltlich-sprachliches Unding sind.

Mit dem Unwort 2015 wurde ein schöner Begriff perfide für hetzerische Zwecke in seiner Bedeutung umgekehrt und hämisch abgewertet. Der tolerante, hilfsbereite "gute" Mensch wird zum "weltfremden Naivling mit Helfersyndrom".

Ein Schlag ins Gesicht für die vielen Menschen mit sozialem Bewusstsein und Charakter, die sich in vielfältigster Art für ihre Mitmenschen engagieren. Die Unwörter des Jahres prangern stets den zynisch-diskriminierenden Missbrauch der Sprache an - vom "Kollateralschaden" über "Döner-Morde" bis hin zur "Rentnerschwemme". Ebenso den Tausch der Täter-Opfer-Rollen. Doch in der gegenwärtig aufgeheizten Stimmung erreichen Unwörter wie "Gutmensch" eine neue Dimension.

Gerade deshalb sollten diffamierende Etiketten wie dieses als Gütesiegel verstanden werden. Es ist Zeit, dem Pöbel das Unwort wegzunehmen und es positiv zu besetzen. Denn es ist gut, ein "Gutmensch" zu sein.

tobias.schwarzmeier @derneuetag.de
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