Kommentar zum US-Wahlkampf
Clinton hat ihr Ziel noch lange nicht erreicht

Die unangenehme Wahrheit über die Präsidentschaftswahlen in den USA lautet: Ihr Ausgang ist ungewiss. Da kann die Demokratin Hillary Clinton in den Umfragen noch so oft vorn liegen - wie die Mehrheit am 8. November wirklich entscheidet, ist offen bis zur Schließung der Wahllokale. Nach allen Regeln des gesunden (europäischen) Menschenverstands hätte sich der Republikaner Donald Trump mit seinen Ausfällen und Beleidigungen schon lange ins Aus katapultieren müssen - hat er aber nicht. Er ist immer noch im Rennen. Und wenn er außer seinem kosmisch aufgeblähten Ego noch eine Stärke hat, dann die, dass man ihn schon immer unterschätzt hat.

Dass Trump selbst Einfluss auf FBI-Chef James Comey genommen hat, damit er so kurz vor der Wahl mit neuen Details zu Clintons E-Mails aus der Deckung kommt, wäre ihm ohne weiteres zuzutrauen - was schlimm genug ist. Beweisen lässt es sich freilich nicht. Trotzdem kommt das alles dem republikanischen Lager derart gelegen, dass man an einen Zufall nicht glauben mag. Und wer weiß, welche Leichen sonst noch in den Kellern der Clintons liegen, die Trumps Team ans Tageslicht zerren könnte?

Sollte der Mann mit dem orangen Teint tatsächlich der 45. Präsident der Vereinigten Staaten werden, braucht sich die Welt aber nicht bei Comey zu bedanken, sondern vor allem bei den US-Nachrichtensendern: Ihnen bescherte der politische Poltergeist Traumquoten, dafür bekam er monatelang Sendezeit ohne Ende. Sie haben den ehemaligen Reality-TV-Star zu einer realen Gefahr gemacht - nicht nur für die USA.

frank.stuedemann@oberpfalzmedien.de
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