Kommentar zum US-Wahlkampf
Clintons kleine Schwäche ist Trumps große Chance

Hillary Clinton ist 68 Jahre alt, Donald Trump 70. Das Senioren-Duell ums Weiße Haus bekommt durch die verschwiegene Lungenentzündung der demokratischen Kandidatin eine neue Note. Wie fit muss der neue US-Präsident sein? Kann die Debatte um den Gesundheitszustand den Wahlkampf entscheiden? Yes, it can!

Clintons Vorsprung in den Umfragen schmilzt seit einiger Zeit. Sie hat nur noch acht Wochen Zeit, diesen Vorteil zu verteidigen. Nach ihrem Schwächeanfall und der darauf folgenden Geheimniskrämerei hat Trump bemerkenswert clever reagiert. Kein hämisches Wort, sondern Genesungswünsche und die Ankündigung, Details über seinen Gesundheitszustand zu veröffentlichen.

Vielen Amerikanern ist das Bild eines "Strong Man" wichtig. Der Präsident darf keine Schwäche zeigen. Immerhin hat der "Commander-in-Chief" die Befehlsgewalt über die Armee, den Finger quasi am Auslöser der Atomwaffen. Clintons Vertuschen ihrer Erkrankung war der zweite große Fehler innerhalb kurzer Zeit nach dem Beleidigen der Trump-Anhänger als "erbärmliche" Rassisten und Sexisten. Es gilt als ehernes Wahlkampf-Gesetz, die Fans des Gegners nicht anzugreifen.

Trumps Zurückhaltung bei der legitimen Forderung nach mehr Transparenz nicht nur bei Fragen über den Gesundheitszustand der Kandidaten hat gute Gründe. Der Milliardär hütet seine Steuererklärung schließlich selbst wie ein Staatsgeheimnis. Zu viel Offenheit würde ihm mehr Schaden als seiner Kontrahentin.

frank.werner@derneuetag.de
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