Kommentar zum Weißbuch "Arbeiten 4.0"
Bürokratische Regulierung ist Gift für den digitalen Wandel

Die Initiative von Andrea Nahles mit Blick auf Industrie 4.0 folgt der Lebenswirklichkeit in vielen Bereichen der Berufswelt. Die vierte industrielle Revolution ist längst keine abstrakte Blaupause für Morgen oder Übermorgen; die Digitalisierung ist Fakt und greift täglich tiefer in die Branchen ein.

Der Zahntechniker ist durch 3 D-Drucker ebenso betroffen wie der Bankkaufmann durch das Online-Banking, am stationären Einzel- und Großhandel zehren die Online-Shops, Montage-Linien werden immer effizienter durchgetaktet, autonomes Autofahren ist keine Vision mehr, und neuartige Online-Services mischen selbst das Taxi-Gewerbe auf.

Dass starre Regelwerke zu tariflichen Arbeitszeiten wie aus der Zeit gefallen wirken, ist da eigentlich zwangsläufig. Digitalisierung erlaubt oft ein ortsunabhängiges Arbeiten: Mit der individuellen Option, sich Räume für frei verfügbare Zeit zu schaffen, sich eigenverantwortlich zu organisieren. Heute zehn Stunden zu arbeiten, morgen dafür nur sechs. Selbstdisziplin vorausgesetzt. Sie gilt nicht nur der Arbeits-Konzentration, sondern auch dem Selbstschutz. Der feste Arbeitsplatz im Büro gehört jedenfalls für Millionen Arbeitnehmer der Vergangenheit an. Kein Wunder, dass die Gewerkschaften in einer "Flexibilisierung" der fixen Arbeitszeit einen Generalangriff auf in Jahrzehnten erkämpfte tarifliche Privilegien wittern.

Die vierte industrielle Revolution wird zu Umstürzen im Arbeitsleben der Menschen führen. Ob wütende oder gut gemeinte Regulierungversuche diesen höchst dynamischen Prozess wieder einfangen? Bürokratische Bremsmanöver würden zwar den Wandel auf Dauer nicht verhindern, jedoch die Wettbewerbsfähigkeit der Exportnation Deutschland erst einmal beschädigen.

clemens.fuetterer@oberpfalzmedien.de
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.