Kommentar zum Weltflüchtlingstag
Angesichts des Flüchtlingselends fehlt europäische Solidarität

Zum weltweiten Flüchtlingselend gibt es seit Tagen wieder erschreckende Zahlen. Mehr als 65 Millionen Menschen mussten Haus und Hof verlassen. Erneut ein trauriger Rekord, den das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR am Weltflüchtlingstag melden muss. Und: In den vergangenen zweieinhalb Jahren sind mehr als Zehntausend Menschen auf ihrer Flucht über das Mittelmeer ertrunken.

Obwohl mit den Kriegen in Syrien und im Irak die blutigsten Konflikte vor der Haustüre Europas toben, kam nur eine vergleichsweise kleine Zahl nach Europa. Die Hauptlast tragen die jeweiligen Nachbarländer im Nahen Osten. Die überwiegende Mehrheit sind ohnehin Binnenvertriebene.

Das Problem der 500 Millionen Europäer ist auch nicht ein vermeintlicher Ansturm, sondern die fehlende Solidarität. So müssen allen voran Deutschland, aber auch Schweden und einige andere Länder die Last alleine schultern. Die Schande aber, dass das Meer im Süden des Kontinents zum Massengrab für verzweifelte Menschen wird, lastet auf allen europäischen Regierungen. Es ist keine überraschende Entwicklung, dass sich Menschen, die keinen Ausweg sehen, skrupellosen Schleusern mit häufig seeuntüchtigen Booten anvertrauen. Mahnungen gibt es zum Tag der Flüchtlinge wieder reichlich - wie jedes Jahr bleibt offen, ob sie Konsequenzen haben.

Das Flüchtlingselend löst Emotionen aus. Während die Einen auf die europäischen Werte verweisen und Hilfe einfordern, wachsen bei Anderen Ängste und Ablehnung. Doch es ist Gelassenheit angesagt. Erstens hat die deutsche Politik dazugelernt. Zweitens ist erfolgreiche Integration schon früher gelungen. Davon zeugten bereits einige Namen in der Elf der Fußball-Weltmeister von 1954.

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