Kommentar zum Zivilschutzkonzept
Notvorrat an Aufregung

Wer eine leise Vorstellung von echten Hamsterkäufen haben möchte, braucht sich nur vor Feiertagen an einem Supermarkt postieren. Die Aussicht auf kurzzeitig verrammelte Geschäftstüren zwingt Menschen zu Warteschleifen auf dem überfüllten Parkplatz und lässt sie hinter schwer beladenen Einkaufswagen geduldig in der Kassenschlange warten. Das ist der ganz normale Ausnahmezustand in der deutschen Konsumgesellschaft. Ein Szenario mit Bürgern, die in einer echten Bedrohungslage die Regale leer kaufen, ist nicht so abwegig, wie es ätzende Reaktionen auf das geplante Zivilschutzkonzept hinstellen.

Die ständige Verfügbarkeit von Lebensmitteln und Alltagsgütern, die hohe Mobilität und die allgegenwärtige Kommunikationstechnik gehören heute wie selbstverständlich zum Leben. Vorratshaltung klingt nach einer vergangenen Zeit, als im Keller zentnerweise Kartoffeln lagerten und Tankstellen noch nicht zu 24-Stunden-Nahversorgungsmärkten mutiert waren. Doch was, wenn es in einer Notlage irgendwo stockt? Wie gut ist unsere Gesellschaft darauf vorbereitet, dass aus der Steckdose kein Strom fließt oder der Verkehr zum Erliegen kommt?

Darauf Antworten zu geben und Notfallpläne in der Schublade zu haben, ist Aufgabe staatlicher Stellen. Diejenigen, die nun gegen angebliche Panikmache wettern, wären die ersten, die sich ereifern würden, hätte der Staat im Krisenfall nicht vorgesorgt. Teile der deutschen Politik haben offenbar vor allem eines gehortet: einen Notvorrat an Aufregung für mindestens zwei Tage.
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