Kommentar zur angeblichen Vergewaltigung einer 13-Jährigen
Russland spielt die Schutzmacht

Es ist frech, dass ausgerechnet die Regierung Russlands das Drama um eine 13-jährige - russlandstämmige - Deutsche vereinnahmt. Außenminister Sergej Lawrow unterstellt den deutschen Sicherheitsbehörden, die angebliche Vergewaltigung des Mädchens durch Migranten aus politischen Motiven zu vertuschen. Die gleichgeschalteten russischen Medien nehmen sich des vermeintlichen Verbrechens an "unserem Mädchen Lisa" (Lawrow) empört an. Sie stacheln letztendlich Hunderte Russlanddeutsche zu Demonstrationen auf, die umgehend von Rechtsradikalen ausgenutzt werden.

Die Hetze wider besseres Wissen kommt ausgerechnet von einem Regime, das sich die Justiz willfährig macht. Strafrechtliche Ermittlungen münden schon mal in Schauprozessen oder werden nach politischer Opportunität gesteuert. Zahlreiche Morde an nonkonformen Journalisten und unbequemen Oppositionspolitikern sind bis heute unaufgeklärt. Die Propaganda-Attacke erinnert an den Kalten Krieg. Der Kreml mischt mit Lügen die deutsche Innenpolitik (Flüchtlingskrise) auf und maßt sich die Rolle einer Schutzmacht für alle russlandstämmigen Deutschen an. Diese Vorgehensweise hatte bei anderen Ländern in der Vergangenheit durchaus Methode ...

Handelt es sich nur um ein Ablenkungsmanöver? Die stark gesunkenen Energie- und Rohstoffpreise treffen die russische Volkswirtschaft empfindlich. Da ist es einfacher, außenpolitisch mit einer erfundenen Vergewaltigung Stimmung zu machen, als überfällige Reformen und harte Einschnitte anzugehen.

clemens.fuetterer@derneuetag.de
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