Kommentar zur Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran
Ein ungedeckter Scheck auf die Zukunft

Deutschland und die Welt
17.01.2016
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Gute Nachrichten sind rar geworden im Gewirr der internationalen Beziehungen. Gerade deshalb ist es nicht hoch genug einzuschätzen, wenn nach dem Atomkompromiss mit Teheran von einem "Sieg der Diplomatie" die Rede ist. Barack Obama hat viel investiert in die Aussöhnung mit dem früheren Erzfeind. Der Friedensnobelpreisträger wollte nicht militärisch gegen den Iran vorgehen. Er wollte aber auch nicht zusehen, wie das Regime während seiner Amtszeit zur Nuklearmacht wird. Deshalb ließ er seinen Außenminister John Kerry monatelang verhandeln.

Herausgekommen ist eine Neuauflage des Konzepts "Wandel durch Annäherung". Auch im innerdeutschen Verhältnis war dieses Konzept ein ungedeckter Scheck auf die Zukunft. Klar ist, dass Teheran heraus will aus der Rolle des Paria. Unklar ist, wie Teheran sich entwickeln wird, ob die Öffnung weitergeht. Der Machtkampf zwischen Hardlinern und Reformern im Land dauert an, auch über die Parlamentswahlen am 26. Februar hinaus.

Trotz des Atomkompromisses bleibt der Iran eine nukleare Schwellenmacht. Und niemand glaubt ernsthaft, dass das Land langfristig auf die atomare Option verzichten wird. Ebenso fraglich ist, ob Teheran seinen Hass auf Israel überwinden kann. Bis auf weiteres allerdings hat der Iran wenig aufzubieten gegen die bis zu 200 Nuklearsprengköpfe Israels. Aber der Westen hat Zeit gewonnen. Und das Ende der Sanktionen bietet Teheran die einmalige Chance, seine Führungsrolle in der Region durch wirtschaftliche Potenz statt durch nukleare Drohungen auszubauen.

albert.franz@derneuetag.de
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