Kommentar zur automatischen Gesichtserkennung
Thomas de Maizières Ideen-Aktionismus

Aus TV-Serien wie "Homeland" kennt man das längst: High-Tech-Überwachungskameras beobachten die Menschenmenge an einem Flughafen oder einem belebten öffentlichen Platz - Computer gleichen im Hintergrund die Gesichter mit Datenbanken ab, in denen die Fotos von Verdächtigen gespeichert sind. Landet das System einen Treffer, läuft die Maschinerie der Sicherheitsbehörden an. Ganz so fiktiv, wie das klingt, dürfte es nicht sein: Selbst Googles Bildersuche kann Ähnlichkeiten unter abertausenden von Porträtfotos erkennen.

Da scheint es verständlich, dass Bundesinnenminister Thomas de Maizière zur effizienteren Eindämmung der Terrorgefahr auch deutsche Behörden technisch auf den allerneusten Stand bringen will - vorausgesetzt, die Gesetze geben das her. Dumm nur, dass er in seiner etwas ungeschickten Art mit einer einzelnen Idee durch die Medien holpert. Das lässt den Verdacht aufkommen, dass es lediglich ein Anflug von Aktionismus ist, der den Minister zu solch öffentlichen Gedankenspielen treibt. Die Kritik, es fehle im Innenressort das längst überfällige Gesamtkonzept zur Terrorabwehr, trifft ins Schwarze. Auch der Hinweis auf die mangelhafte Ausstattung der Polizei mit Personal und neuer Hardware geht nicht ins Leere.

Wer allerdings den Einsatz von technischen Hilfsmitteln wie der automatischen Gesichtserkennung aus Prinzip ablehnt, muss sich fragen lassen, warum. Jede Technik kann sabotiert und missbraucht werden, und selbst bei Kontrollen oder Ermittlungen durch Menschen aus Fleisch und Blut können jederzeit aus Versehen - oder Absicht - unbescholtene Bürger ins Visier geraten. Zum Schutz vor Terrorismus darf kein Konzept von vornherein einfach so vom Tisch gewischt werden. Dafür steht zu viel auf dem Spiel: unsere Sicherheit.

frank.stuedemann@derneuetag.de
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