Kommentar zur Bundespräsidentenwahl
Das Kartell der Volksparteien treibt Österreichs Spaltung voran

Tu felix Austria! Dieses Glück der Alpenrepublik, dieses leichte, unbeschwerte Leben. Dieser Schmäh. Die Habsburger haben es doch damals so gemeint: "Kriege führen mögen andere, du, glückliches Österreich, heirate." Und nun haben die Österreicher FPÖ-Kandidat Norbert Hofer zu ihrem Mann gemacht. Ein beispielloser Rechtsruck, eine Radikalisierung steht bevor.

Das liegt nicht in erster Linie am überzeugenden Auftreten der Freiheitlichen Partei, den Ziehkindern des verunglückten Jörg Haider. Schuld sind die Platzhirschen SPÖ und ÖVP selbst. Die Sozialdemokraten und die konservative Volkspartei haben sich seit dem Zweiten Weltkrieg die Pöstchen zugeschustert. Die Volksparteien haben ihre Regentschaft quasi als gottgegeben betrachtet. Sie haben die Zeichen der Zeit nicht erkannt, ihre Macht hat sie satt gemacht. Die Wähler waren dieses Kartells müde.

Als schließlich Ungemach von rechts drohte, als die Willkommenskultur gegenüber Flüchtlingen in blanke Ablehnung umschlug, da drehten sich die Etablierten wie ein Fahnerl im Wind. Ihr ausländerfeindlicher Kurs entpuppt sich als Rohrkrepierer. Die Wähler suchten sich lieber gleich das Original aus.

Im Rennen um die Amtsräume in der imperialen Wiener Hofburg steht nun ein brutaler Lagerwahlkampf bevor. Rechtspopulist Hofer gegen den Grünen Alexander Van der Bellen, eine hochbrisante Konstellation. Mittendrin drohen SPÖ und ÖVP zerrieben zu werden.

Im Herbst 2018 wird das Parlament in Österreich neu gewählt. Es ist nicht damit zu rechnen, dass sich die Lage bis dahin beruhigt hat. Oh felix Austria? Tempora mutantur. Die Zeiten ändern sich.

frank.werner@derneuetag.de
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