Kommentar zur Bundespräsidentenwahl in Österreich
Österreich – eine tief gespaltene Republik

Hier der eloquente jung-dynamische Norbert Hofer, dort der knorrige und sachliche Alexander Van der Bellen. Hofer, der Kandidat der rechtsgerichteten FPÖ, und der frühere Grünen-Vorsitzende Van der Bellen liegen bei der Stimmenzahl der Bundespräsidentenwahl in Österreich dicht beisammen. Wer letztlich in die Wiener Hofburg, die ehemalige Kaiser-Residenz, als Staatsoberhaupt einziehen wird, wird erst die Auszählung der Briefwahl heute zeigen.

Die Blauen, die FPÖ und ihre Anhänger, werden einen knappen Sieg Van der Bellens nicht so einfach hinnehmen. Sie werden innerhalb und außerhalb des Parlaments Stimmung machen - gegen Van der Bellen, die regierende Rot-Schwarze Koalition und gegen die Medien. Und wenn ihr Mann Hofer Bundespräsident wird, dann wird die Regierung nach seiner Pfeife tanzen müssen. Das hat er im Wahlkampf mit seiner Drohung eine widerstrebende Ministerriege aus dem Amt zu jagen, bereits mehrfach angekündigt.

Eines hat die Wahl klar gemacht: Die Alpenrepublik ist - mehr noch als andere Länder der EU - tief gespalten. Auf der einen Seite die Rechtsaußen, die heute nicht mehr unbedingt in Springerstiefel und Bomberjacken auftreten, sondern im Anzug, und die schnelle Lösungen im Führer-Stil anpreisen. Auf der anderen Seite diejenigen, die die Demokratie für die beste Staatsform halten, die in einem Widerstreit der Meinungen und Wege das für möglichst viele Bürger Beste erreichen wollen. Ob diese Spaltung zu kitten ist?

martin.bink@derneuetag.de
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