Kommentar zur deutschen Flüchtlingspolitik
Was wir schaffen - und was nicht

Falls sich nicht alle Wahlforscher getäuscht haben, bekommt Angela Merkel am Sonntag einen der dicksten Denkzettel ihrer Karriere. Ein Großteil der Wähler in Mecklenburg-Vorpommern wird sie für etwas abstrafen, das ein Jahr zuvor im Süden begann. Nach Merkels "Öffnung" der Grenze, die in der Folgezeit immer mehr Menschen als falsch empfanden, ist die politische Stimmung gekippt.

Um zu beurteilen, ob die Kanzlerin wirklich falsch lag, lohnt sich ein Blick auf die Alternativen. Die deutsche Regierung hätte auch zusehen können, wie Tausende, die nach Deutschland wollten, in Osteuropa vor die Hunde gehen. Was gerne ausgeblendet wird: Merkel handelte nicht, weil sie auf Selfies spekulierte. Sie handelte in einer humanitären Katastrophe, in die Deutschland als Zielland verwickelt war. Viele von denen, die die Kanzlerin kritisierten, sehen nur die nicht beabsichtigten Folgen ihrer Order. Ein Jahr später ist dennoch vieles anders. "Wir schaffen das" ist zur hohlen Phrase verkommen, weil zu wenige Menschen es schaffen wollen. Nicht die Leistungsfähigkeit Deutschlands ist erschöpft, sondern die Leistungsbereitschaft. Schuld daran sind fehlende Solidarität der EU-Staaten ebenso wie Terroristen und gewöhnliche Kriminelle, die wie Abziehbilder des Problem-Migranten die Willkommenskultur zerstörten.

Das Fazit nach einem Jahr ist durchwachsen. Wir haben es geschafft, dass es uns trotz der Aufnahme Hunderttausender nicht schlechter geht. Wir haben es nicht geschafft, das Elend vor Europas Haustür zu beenden. Es stimmt leider, dass ein syrisches Kind zwei Möglichkeiten hat zu sterben: in seiner Heimat oder auf der Flucht.
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