Kommentar zur Digitalisierung
Merkel will auch den Wandel der Wirtschaft gestalten

In Wahlkampf geht es nicht nur um die Frage, wer ab Herbst 2017 die Bundesregierung stellen und aus welcher Partei der Kanzler kommen soll. Es geht um tiefer gehende Fragen. Welche Gesellschaft wollen wir? Welche Wirtschaft wollen wir? Auf beide Themen hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Sonntagabend in ihrer Pressekonferenz zur Ankündigung ihrer erneuten Kandidatur hingewiesen.

Merkels Warnung vor den Extremen - von links und von rechts - dürften alle gehört haben. Doch die CDU-Parteivorsitzende sprach auch davon, dass es in den nächsten Jahren darum gehen wird, die digitale Revolution zu gestalten: "Was mich am meisten umtreibt ist die Frage: Werden wir auch in zehn Jahren noch 20 Prozent Anteil der industriellen Wertschöpfung am Bruttoinlandsprodukt haben?" Merkel wird bei ihrer Frage, wie so viele, das abschreckende Beispiel der De-Industrialisierung in den USA vor Augen gehabt haben. Das ließ die Mittelschicht abschmelzen und trug zum Verfall sozialer und politischer Strukturen bei. Auf diesem Trümmern gedieh Donald Trumps Erfolg.

Das Verschwinden der US-Industrie ist eine Folge falscher wirtschaftspolitischer Entscheidungen und begann lange vor der Digitalisierung. Aber letztere Entwicklung kann ähnliche Folgen haben, wenn sie nicht so gestaltet wird, dass niemand auf der Strecke bleibt.

Derzeit ist die Digitalisierung der deutschen Wirtschaft unter dem Schlagwort "Industrie 4.0" eine Erfolgsgeschichte. Diese muss fortgesetzt und verteidigt werden. Sonst setzen Größere, die USA und China, die Standards und geben so den Ton an.

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