Kommentar zur Finanzierung des Atomausstiegs
Der Weg in die Atomenergie war höchst fahrlässig

Sie war der Traum von der quasi nie versiegenden, billigen Stromquelle, die keinen Dreck verursacht - die friedliche Nutzung von Kernenergie in Form von Atomkraftwerken. Bis 1986 das Kraftwerk Tschernobyl explodiert. Ein Ereignis, das vielen in Erinnerung rief, welch verheerende Wirkung Kernreaktionen haben können, wenn sie sich der menschlichen Kontrolle entzogen haben. Und wie schwer bis nahezu unmöglich es ist, die Kontrolle wiederzuerlangen.

Kurzum: So lange alles in geregelten Bahnen läuft, ist Kernenergie eine prima Sache, doch Unfälle können in Katastrophen enden, deren Folgen vielfach das menschliche Vorstellungsvermögen weit überschreiten. Versuchte Landstriche sind über Jahrzehnte unbewohnbar, Unmengen verseuchten Wassers - zuletzt hat das Japan in Fukushima erlebt. Nicht nur bei den "Größten Anzunehmenden Unfällen" (GAU) zeigt sich, dass die Atomenergie am Ende gar nicht so günstig war, wie Politik und Konzerne lange glauben ließen. Das dicke Ende kommt gerade: Milliarden für den Rückbau der Kraftwerke, den Transport von Brennmaterial und dessen Entsorgung. Bezahlen will das am liebsten niemand: Die Verbraucher nicht, der Staat nicht und die Konzerne schon zweimal nicht - obwohl sie am günstigen Atomstrom doch ganz gut verdient haben.

Bleibt am Schluss nur: Blechen müssen also alle für den gigantischen Feldversuch. Die Fragen sind aber: Wie viel? Und mit welchem Risiko? Die Konzerne sind nach dem Abriss der Kraftwerke aus dem Schneider. Das Langzeit-Risiko trägt der Staat, womöglich über Jahrhunderte. Würden die Stromkonzerne diese Risiken übernehmen und daran zerbrechen, müsste jedoch wohl oder übel auch wieder der Staat einspringen. All das zeigt vor allem eines: Der Weg in die Atomenergie getreu dem Motto "Wir marschieren jetzt mal los, wissen aber noch nicht wohin", war höchst fahrlässig. Denn allerspätestens nach dem Atombombenabwurf von Hiroshima dürften die Folgen atomarer Strahlung hinlänglich bekannt gewesen sein.

alexander.raedle@derneuetag.de
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