Kommentar zur Flüchtlingspolitik
Der Debatte ist der letzte Rest Anstand abhanden gekommen

In großen und kleinen Debatten, in privaten und öffentlichen Diskussionen wird seit dem Jahreswechsel in Deutschland tagtäglich über die sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht von Köln gesprochen. Doch vom Leid, von den Ängsten der Hunderten Opfer jener Horrornacht spricht fast niemand. Im Gegenteil. Die Erniedrigung der Frauen dient als Waffe in der politischen Auseinandersetzung. So werden die Opfer erneut zum Opfer - diesmal der aufgeheizten Debatte.

Hass, Diffamierungen ergießen sich über jene, die weiterhin für eine Aufnahme von Flüchtlingen werben. Trotz der verheerenden Nacht von Köln. Ebenso ergeht es jenen, die dafür werben, genau hinzuschauen, die wissen wollen, was ist und was nicht ist. Ein Beispiel: "Schade, dass sie nicht eine der Frauen von Köln in der Silvesternacht waren, vielleicht hätte Ihnen das mal die Augen geöffnet", zitiert die Journalistin Dunja Hayali aus einer Zuschrift. Auf der anderen Seite werden all jene, die die berechtigte Frage stellen, ob die Aufnahme der Flüchtlinge zu schaffen ist, in die rechtsextremistische Ecke gestellt.

Demokratie braucht Leidenschaft, aber auch Nüchternheit und vor allem Respekt. Letzterer ist abhanden gekommen. Nicht nur in den sozialen Medien oder bei Demonstrationen, sondern auch in der Auseinandersetzung zwischen den Parteien im Bundestag. Statt ein Vorbild zu bieten, setzen zu viele Politiker auf Drohungen, Schuldzuweisungen und Erpressungen. Einige aus den Regierungsparteien sind sogar bereit, elementare Rechtsstaatsprinzipien über den Haufen zu werfen. Damit stellen sie die Grundlagen der Bundesrepublik infrage. Verheerend.

___



E-Mail an den Autor:

alexander.pausch@derneuetag.de
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.