Kommentar zur Flüchtlingspolitik
EU-Gipfel als Nagelprobe: Es geht um Merkels Überleben

"Das sind jetzt entscheidende Tage und Wochen", orakelt Horst Seehofer. Der Countdown zur Lösung der Flüchtlingskrise läuft. Das Kriegsbeil hat der CSU-Vorsitzende derweil begraben, Seehofer gibt sich gegenüber Angela Merkel deutlich zahmer. Denn um die Kanzlerin wird es in Europa immer einsamer. Jetzt hat auch Frankreich die Gefolgschaft in der Flüchtlingspolitik aufgekündigt. Ein katastrophales Signal für die CDU-Chefin. Merkels Wunsch von einer EU, die mit einer Sprache spricht - er ist so gut wie geplatzt.

Polen, Ungarn, Tschechien und die Slowakei habe sich jetzt auch noch zu einer "Koalition der Abtrünnigen" zusammengeschlossen. Vier Länder, die in der EU jede Menge Solidarität und noch mehr Geld erhalten haben. Ein Trauerspiel und ein Akt der Unverfrorenheit.

Die Zeichen in Europa stehen jedenfalls auf totaler Abschottung. Es müsste schon ein Wunder geschehen, wenn es Angela Merkel gelingen sollte, beim EU-Gipfel in Brüssel eine Lösung zu erzielen. Diese aber ist alternativlos, wie es die Kanzlerin zu sagen pflegt. Eine Schließung der Grenzen beendet die Flüchtlingsströme nicht, das müsste sich schon länger herumgesprochen haben.

Es braucht einen langen Atem, eine weltweite Strategie und offene Herzen, um das Blatt doch noch zu wenden. Doch von alledem ist nichts zu spüren. So wird die Kanzlerin wohl mit leeren Händen aus Brüssel zurückkehren. Es geht dann nicht nur um Merkels Überleben - sondern um die Zukunft des gesamten europäischen Hauses überhaupt.

frank.werner@derneuetag.de
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