Kommentar zur geplanten Familienbauhilfe
Armutsbremse Eigenheim für Generation Arbeit bis zur Bahre

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) spricht am 30.11.2016 bei der Fragestunde im Plenum des Deutschen Bundestages in Berlin. (Foto: dpa)

Was haben Barbara Hendricks und 15,4 Prozent der Bürger gemeinsam? Richtig, sie sind arm. Im Falle der Ministerin bezieht sich das nicht aufs Monetäre. Zeigt die arme Umweltpolitikerin Initiative, wird sie von Sigmar Gabriel zurückgepfiffen.

Jetzt streckt sie den Kopf an unerwarteter Front aus dem Boden: Sie will Familien mit bis zu 20 000 Euro fördern, wenn sie ein Eigenheim kaufen oder bauen, wo Wohnraum knapp ist. Bis zu einem Haushaltseinkommen von 70 000 Euro soll es fürs erste Kind 8000 Euro geben, für die nächsten beiden je 6000 - das beträfe 80 Prozent der 13,6 Millionen Familien. Würden alle zuschlagen, käme das grob gemittelt (1,5 Kinder) mit 120 Milliarden Euro halb so teuer wie die Bankenrettung.

Wohneigentum als Beitrag zur Alterssicherung: Im Vergleich zu den Begehrlichkeiten mancher Vermieter sind die eigenen vier Wände eine sichere Bank - wenn schon das Ersparte von der Inflation aufgezehrt wird. Bevor Finanzminister Wolfgang Schäuble die Wohltat kassiert, sollte er nachrechnen, was die Armutssubvention künftig kosten wird: Schon heute muss das Existenzminimum von 3,5 Millionen arbeitsloser Menschen finanziert werden - wenn zur offiziellen Statistik all jene addiert werden, die krank, älter als 58 Jahre alt sind, einen Ein-Euro-Job haben, an Weiterbildungen teilnehmen, bei privaten Arbeitsvermittlern suchen, oder zur stillen Reserve zählen.

Dazu kommen rund 3 Millionen von Armut bedrohte Vollzeitbeschäftigte. Nimmt das Rentenniveau bis 2030 auf 46 (Nahles-Bremse) oder gar auf 41 Prozent ab, wird die Miete in Ballungszentren für viele unbezahlbar. Die Förderung von Wohneigentum kann doppelt helfen: als Konjunkturmotor und als Ruhekissen für die Generation "Arbeit bis zur Bahre".

juergen.herda@oberpfalzmedien.de
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