Kommentar zur Großrazzia gegen Islamisten
Stabile Sicherheitslage in zunehmend unsicherer Zeit

Die Sicherheitslage hat sich nicht geändert. Gebetsmühlenartig tragen Politiker, hohe Ermittlungsbeamte und Sicherheitsexperten diesen einen Satz vor. In Interviews, Talkrunden und nach jedem Polizeieinsatz - wie auch gestern. Immer im genau gleichen Wortlaut. Die Menschen in Deutschland nehmen die Floskel schon gar nicht mehr wahr. Dabei ist der Standardspruch zweifellos richtig.

Richtig im konkreten Fall der festgenommenen Islamisten - da sie in einem frühen Stadium entdeckt wurden und es offenbar weder ausgearbeitete Pläne, beschaffte Waffen oder gar konkrete Anschlagsziele gab.

Richtig im Bezug auf Gruppen von Terroristen oder anderen Straftätern unter den mehr als einer Million Migranten - die es allein statistisch geben muss, wie anteilsmäßig auch in der übrigen Bevölkerung.

Richtig mit Blick auf Deutschland als potenzielles Anschlagsziel - das wegen seiner wirtschaftlichen und politischen Position, der bereitwilligen Aufnahme der Flüchtlinge und der Beteiligung am Militär-Einsatz gegen den Islamischen Staat als Ziel stets prädestiniert war.

Richtig nicht zuletzt generell - weil es trotz Geheimdiensten, Sondereinheiten oder Anti-Terror-Gesetzen wie in Frankreich eine absolute Sicherheit vor Anschlägen nicht geben kann.

Und dennoch: Wenn 450 Polizisten in drei Bundesländern die Mitglieder einer einzelnen Terrorzelle jagen - in Tagen, in denen Millionen im Fasching bei Großveranstaltungen zusammen feiern - haben nicht wenige ein mulmiges Gefühl. Nein, die Sicherheitslage hat sich nicht geändert, die gefühlte Sicherheit der Menschen schon.

tobias.schwarzmeier@derneuetag.de
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