Kommentar zur Integrationsdebatte
Kein Fordern ohne Fördern

Die gute Nachricht: Es wird über Integration diskutiert. Die schlechte: Das, was an jüngsten Forderungen der Union auf dem Tisch liegt, klingt bedeutungsschwer, bleibt aber bei näherer Betrachtung unausgegoren. Es sagt und schreibt sich so leicht, dass Zuwanderer, die bleiben wollen, sich zu "unseren Werten" und zu den "Regeln eines friedlichen Zusammenlebens" bekennen müssen. Aber welche genau sind das? Darauf sind die C-Parteien noch Antworten schuldig. Gesetzestreue braucht keine Einverständniserklärung. Sie gilt grundsätzlich und ab dem Grenzübertritt.

Eine schriftliche Integrations-Vereinbarung hat ihren Reiz. Solche Hand-drauf-Papiere schließen inzwischen schon Grundschüler in Entwicklungsgesprächen mit ihren Lehrern ab. Es kann ein Ausweis von Wertschätzung seines Gegenübers sein, wenn man dabei gemeinsam Ziele absteckt. Eine Integrations-Vereinbarung darf dabei die Pflichten nicht nur einer Seite aufbürden. Der Erwerb von Sprachkenntnissen und Wissen über die Alltagsbewältigung im durchgeregelten deutschen Staatswesen ist der Schlüssel zum Zusammenleben. Dem Fordern muss aber ein entsprechendes Fördern gegenüberstehen - in Form eines ausreichenden Kursangebots.

Flüchtlingen nur eine Alibi-Unterschrift abzunehmen, dass sie sich einzufügen haben, würde dagegen niemandem etwas bringen. Außer als scheinbarer Beleg für diejenigen vom rechten Rand, die davon ausgehen, dass der Migrant als solcher weder gesetzestreu noch integrationswillig ist.

stefan.zaruba@derneuetag.de
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