Kommentar zur Kaufprämie für Elektroautos
Europas Autobauer humpeln der Zukunft hinterher

Die Abwrackprämie mit 2500 Euro Subvention für jeden Altwagen sorgte 2009 für einen Käuferansturm bei Neufahrzeugen. Ob sich dieser - staatlich initiierte - Boom mit der Förderung von E-Autos wiederholen lässt? Machen 4000 Euro bzw. 3000 Euro Zuschuss die überteuerten Ladenhüter wirklich zu Verkaufshits? Mitnichten.

Es bedarf einer hohen idealistischen Gesinnung in Kombination mit üppiger Liquidität, um das Wagnis der Elektromobilität einzugehen. Ein automobiler E-Pionier sollte auch möglichst in Ballungsräumen leben. Schon bei Fahrten nach Regensburg oder Nürnberg (und zurück) darf der Zeitfaktor keine Rolle spielen. Die theoretischen Reichweiten der europäischen E-Autos von durchschnittlich 150 Kilometer halbieren sich im Alltag beängstigend schnell.

Selbst für die ökologisch gut meinenden Autofahrer stellt die fehlende Wirtschaftlichkeit das größte Kaufhindernis dar. Jeder, der rechnen muss (und das sind die meisten Autofahrer), wartet ab: Dass E-Autos preisgünstiger werden, über eine deutlich größere, realistische Reichweite verfügen und die Infrastruktur lückenlos und zuverlässig ist. Denn viele der rund 9000 Stromtankstellen in Deutschland funktionieren nicht. Diese unabdingbaren Grundvoraussetzungen lassen sich schon gar nicht durch ein paar Tausend Euro Zuschuss ausgleichen.

Den europäischen Autobauern gelingt es nicht, ein vollwertiges E-Auto auf die Räder zu stellen. Es bleibt vorerst ein Nischenprodukt für Betuchte und Ökofreaks. Wie E-Mobilität breite Schichten erreicht, zeigt ein Beispiel aus den USA. Als das hippe Unternehmen Tesla das fünfsitzige Modell 3 mit einer Reichweite von mehr als 300 Kilometern zu einem Preis von 35 000 Dollar präsentierte, wurden innerhalb weniger Tage mehrere 100 000 Exemplare online bestellt - mit einer Anzahlung von jeweils 1000 Dollar. Da hinken BMW, VW & Co dramatisch der Zukunft hinterher.

clemens.fuetterer@derneuetag.de
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