Kommentar zur Lebenserwartung
Schwere Arbeit macht das Leben nicht süß, sondern verkürzt es

Auch wenn das Robert-Koch-Institut die Daten wissenschaftlich belegt: Es mutet wie eine Binsenweisheit an, dass ärmere Menschen früher sterben als Reiche, und Frauen länger leben als Männer. Wohlhabend bedeutet meist auch wohllebend; ein Vermögen garantiert zwar nicht Gesundheit, aber Entspannung und Freiheiten. Sozial Schwache hingegen leiden unter ihren finanziellen Sorgen, bekommen oftmals Depressionen und vereinsamen.

Die Studie schließt zwar Wetter und Sonnentage als entscheidende Faktoren für die Lebenserwartung aus. Auffällig ist aber schon, dass in lieblichen Landschaften die Zahl der Jahre deutlich höher liegt als in eher rauen Gegenden. So erfreuen sich (selbst) Männer an Bodensee und Starnberger See, im Hochschwarzwald oder im Hochtaunus an einer durchschnittlichen Lebenszeit jenseits der 80. In solchen Idyllen siedeln gerne die Schönen und Reichen: Was wohl auf einer anziehenden Wechselwirkung beruht. Im unwirtlichen Fichtelgebirgs-Landkreis Wunsiedel sterben die Männer fünf Jahre früher. Die Studie scheint damit gängige Klischees zu bestätigen.

Obwohl ein wirtschaftliches Süd-Nord-Gefälle in der Oberpfalz öffentlich heftigst dementiert wird, tut sich bei der Lebenserwartung ein gar nicht kleiner Unterschied auf: Ein Mann im Landkreis Regensburg - dem properen Speckgürtel der Donaumetropole - kann auf ein Alter von 78,9 Jahren hoffen, im Landkreis Tirschenreuth tritt der Tod mit 76,1 Jahren deutlich zeitiger ein. Die Studie führt als Grund für das Ungleichgewicht in der Lebenszeit generell die "sozioökonomischen Bedingungen" an. Harte, schwere Arbeit versüßt demnach nicht das Leben, sondern verkürzt es.

clemens.fütterer@derneuetag.de
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