Kommentar zur Nominierung Frank Walter Steinmeiers
Präsidenten-Poker oder die Kunst, die richtigen Spiele zu gewinnen

Mitten unter uns: Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) guckt mit der ghanaischen Botschafterin Dansua (links) und seiner Ehefrau Elke das Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Ghana bei der Fußball-WM 2014. (Foto: dpa)

Der erste Mann im Staat hat viel zu sagen, aber wenig zu melden. Die Aufregung um die Kandidatenkür ist parteipolitisches Theater. Sicher, es gab Zeiten, als jedes Amt Autorität verlieh, und von der Wahl des Staatsoberhaupts ein Signal zum politischen Wechsel ausging: Gustav Heinemann bereitete als erster sozialdemokratischer Präsident psychologisch das Ende der Großen Koalition und den Beginn der ersten SPD-geführten Regierung vor.

Heute geht von der großkoalitionären Nominierung von Frank-Walter Steinmeier weder ein Signal für den Wechsel aus, noch muss eine SPD-Regierung psychologisch vorbereitet werden - im doppelten Sinn. Insofern ist Angela Merkels vermeintliche Niederlage ungefähr so schmerzvoll wie das 0:1 bei einem Freundschaftsspiel gegen Österreich. Peinlich ja, aber wie der Kanzlerin liebster Bundes-Jogi sagt: "Die Kunst ist es, die richtigen Spiele zu gewinnen."

"Zu ermutigen und zu warnen", erklärte der erste Bundespräsident Theodor Heuss, "das ist die entscheidende Aufgabe des Bundespräsidenten." So pastoral Joachim Gauck die vergangenen fünf Jahre auch warnte und ermutigte. Mit seinen Worten drang der Pastor aus Rostock kaum zu den Wutbürgern in Dresden durch.

Unter den Kandidaten für das Hochamt symbolischer Politik, ist der lakonische Frank-Walter Steinmeier freilich eine bessere Wahl als nur das viel bemühte geringere Übel. Man muss nicht mit der Agenda 2010 des 60-jährigen Detmolders sympathisieren. Auch hat der Fall Kurnaz einen Fleck an der affärenreinen Weste hinterlassen. Dennoch ist der Chefdiplomat ein wohltuender Gegenpol zur Spaßfraktion seiner Partei - Zickzack-Gabriel und "fußfrei"-Steinbrück.

Denn in einem hat der SPD-Vorsitzende ja recht: Es ist nicht sein Verdienst, dass CDU/CSU Deutschlands beliebtesten Politiker durchgewunken hat. Seine Popularität verdankt Steinmeier auch der Nierenspende für seine Frau - ein Beleg, dass er im Ego-Politbetrieb nicht nur nehmen, sondern auch geben kann.

juergen.herda@oberpfalzmedien.de
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