Kommentar zur Rentendebatte
Mut statt Wahlkampf-Geplänkel

Das Thema Rente hat eine unangenehme Eigenschaft: Je weniger man sich davon betroffen fühlt, desto stärker ist das Zucken der Achseln, sobald davon die Rede ist. Am Beginn eines Arbeitslebens wirkt ein Gespräch über Altersvorsorge so berauschend wie Kamillentee. In der Mitte des Lebens schaut das schon anders aus.

Für den Mittvierziger, der die Wirkung von Kamillentee inzwischen zu schätzen weiß, wandelt sich die Vorsorge-Perspektive: Die Rente, oder was von ihr einmal übrig bleiben wird, ist um Jahrzehnte nähergerückt. Und damit ist auch wertvolle Zeit verstrichen, um sich etwas für einen Lebensabend beiseitezulegen, der nun nicht mehr unendlich weit weg wirkt.

Etwas hat sich nicht geändert. Damals wie heute zanken sich Beschwichtiger und Endzeit-Propheten vor einem staunenden Publikum über die Zukunft der Altersversorgung. Nun läuft es wieder einmal auf die Rente als Wahlkampfthema hinaus. Schade zwar, dass erst Wahlen anstehen müssen, damit eine breite Diskussion in Gang kommt. Aber immerhin: Der Stein ist ins Wasser geworfen - und schlägt zunächst innerhalb der Koalition Wellen.

Die Argumente sind die alten und überwiegend nicht originell, außer demjenigen, dass man die Riester-Rente nicht kritisieren dürfe, weil das die Betroffenen verletzen könnte. Das ist das Gegenteil der Offenheit, mit der über die Altersvorsorge debattiert werden muss. Die Politik darf sich nicht hinter demografischen Zwängen, Sünden der Vergangenheit und der Mathematik verstecken. In der Rentenpolitik kann und muss Politik mutig gestalten.

stefan.zaruba@derneuetag.de
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