Kommentar zur Rentenerhöhung
Das wenige Mehr an Rente: Abwärtstrend nicht gestoppt

Es klingt nach viel: Rentner im Westen bekommen zum Juli 4,25 Prozent, im Osten 5,95 Prozent mehr. Die Bezüge errechnen sich aus allgemeiner Lohnentwicklung, Beitragssatz und dem Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentnern. Da Löhne und sozialversicherungspflichtige Jobs 2015 stiegen, profitieren davon auch die Rentner. So viel zur Habenseite.

Insgesamt aber müssen immer mehr Rentner mit Minijobs oder Hartz IV ihren kärglichen Etat aufbessern: Rund 15 Prozent gelten als bedürftig. Auch die diesjährige Erhöhung ändert nichts daran: Das Rentenniveau wird weiter sinken. Dazu kommt, dass erstmals etwa 70 000 Ruheständler Steuern zahlen müssen. Ihre Einkünfte überschreiten jetzt das steuerfreie Existenzminimum. Dabei schlägt der demografische Wandel erst in einigen Jahren voll durch. Dazu belasten die Mütterrente, die Rente mit 63 und die geplante Mindestrente die Rentenkasse. Private Vorsorgemodelle können die immer größere Lücke zwischen letztem Lohn und erster Rente bisher nur unzureichend schließen.

Zwei Lösungen des Dilemmas sind denkbar: Zuwanderung oder Umsteuern in der Sozialpolitik - wenn wir uns Letzteres leisten, wird Verzicht an anderer Stelle unumgänglich. Eines aber ist sicher: Die Rente schrumpft proportional zur Vergreisung unserer Gesellschaft.

juergen.herda@derneuetag.de
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