Kommentar zur Seehofer-Nachfolge
Seehofer will Söder die Berliner Lehrjahre nicht ersparen

Eigentlich könnte sich Horst Seehofer zufrieden zurücklehnen. Gerade hat er bei den Verhandlungen über die Bund-Länder-Finanzen erreicht, dass Bayern künftig deutlich weniger an die Nehmer-Länder zahlen muss. Und in der Flüchtlingsfrage treibt die CSU die CDU vor sich her, auch wenn sich Angela Merkel hartnäckig weigert, die Münchener Lesart zu übernehmen, geschweige denn eine Obergrenze zu akzeptieren.

Trotzdem treibt Seehofer eine andere Frage weit mehr um: Wie schafft sich die CSU die beste Ausgangslage für die Bundestagswahl 2017 und die Landtagswahl 2018? Und welche Rolle soll dabei Markus Söder spielen? Seehofer hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass ein CSU-Chef bundespolitische Erfahrung braucht. Und dass Söder sich diese erst noch erwerben muss. Doch Söders Abwehrhaltung hat gute Gründe. Letztlich hängt der CSU immer noch ein Trauma nach, bei dem Edmund Stoiber eine zentrale Rolle spielt. 2005 sollte er Superminister im Kabinett Merkel werden, kniff aber schließlich. Stoiber - in Bayern gewohnt, die erste Geige zu spielen - kam nicht damit zurecht, dass der Politikbetrieb in Berlin so ganz anders ist als in München.

Stoibers Rückzieher hat seinerzeit nicht nur ihm, sondern auch der CSU schwer geschadet. Es ist nun an Söder zu beweisen, dass er die bundespolitische Rolle ausfüllen kann. Wie es aussieht, wird Seehofer Söder nicht den Gefallen tun, ihm CSU-Vorsitz und Ministerpräsidentenamt gleichzeitig zu überlassen. Setzt Seehofer sich durch, wird Söder um die Berliner Lehrjahre kaum herumkommen.

albert.franz@derneuetag.de
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