Kommentar zur Sprengkraft des Populismus
Die unheimliche Allianz von Wutbürgern und Blendern

Es ist nicht vorbei, es geht gerade erst los. Die Hatz ist eröffnet: Auf die abgehobenen Politiker, auf die Versager in den Meinungsforschungsinstituten, auf die verblendeten Journalisten, auf die verhassten Eliten, die in ihren warmen Büros sitzen und keine Ahnung haben vom wahren Leben. Erst der Brexit, jetzt die Trump-Wahl: Mehr Irrtum geht nicht. Oder doch?

Der Kampf zwischen Wutbürger und angeblichem Establishment ist längst zum Selbstläufer geworden. Der kleine Mann begehrt auf, das Volk erhebt sich - so sehen das die Populisten, allen voran die AfD. "Wir müssen über die Rolle von Social Media ... reden", postete Stefan Plöchinger, Online-Chef der "Süddeutschen Zeitung" in einem Anflug von Selbstzweifel nach der Trump-Wahl auf Facebook. Ja, müssen wir. Weil Facebook und Co. nicht zwangsläufig die Wegbereiter der Demokratie, sondern möglicherweise ihre Zerstörer sind. Weil es inzwischen offensichtlich ist, wie sie die politische Kultur ruinieren. Weil es nicht angehen kann, dass mit Fake-Accounts Politik gemacht wird, dass sogenannte Bots, kleine Programme, die automatisch Beiträge verfassen, das Klima aufheizen. Das Netz ist auf dem besten Weg, sich selbst zu diskreditieren. Es trägt zur Spaltung der Gesellschaft bei. In der Filterblase gedeihen Feindbilder prächtig. Und schlichte Lügen sind schneller als komplizierte Wahrheiten.

Leute wie Donald Trump und Boris Johnson haben die Lüge salonfähig gemacht. Aber sie werden damit auch leben müssen. Vom Hetzer zum Staatsmann? So schnell geht das nicht. Was ist passiert, fast fünf Monate nach der Brexit-Abstimmung? Nichts bisher. Und wer glaubt, dass Trump die Steuer von 35 auf 15 Prozent senken wird? Nicht einmal seine Wähler. Deshalb wird es auch nicht reichen, das Ohr näher an den Wutbürgern zu haben. Man müsste berechtigte Ängste und Sorgen ernst nehmen, und unberechtigte zerstreuen, statt sie zu schüren. Genau das aber tun die populistischen Blender nicht. Sie wollen nur die Macht.

albert.franz@oberpfalzmedien.de
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