Kommentar zur Terrorbedrohung
Merkel fordert zurecht: Wir müssen uns treu bleiben

Vor rund 200 Jahren fand die Aufforderung "Ruhe ist die erste Bürgerpflicht" Eingang in den Sprachgebrauch. Damals, nach der verlorenen Schlacht bei Jena und Auerstedt, rief dies der Stadtkommandant den Berlinern zu. Nicht Preußen, sondern der König habe eine Schlacht verloren.

Seither haben viele, wie etwa Günter Grass, versucht, den Deutschen einzubläuen: In der Demokratie ist "Unruhe erste Bürgerpflicht". Es gelte, sich zu Wort zu melden und zu beteiligen. Unruhe hat die Deutschen inzwischen zur Genüge erfasst. Es wird mitgeredet und mitgestaltet: von der Friedens- über die Umwelt- und Anti-Atomkraftbewegung bis hin zur Willkommenskultur im Jahr 2015.

Doch längst macht sich auch Angst breit: Internationale Finanzkrise, Euro-Krise, die Sorgen wegen der großen Zahl der Flüchtlinge und nun die islamistischen Anschläge. Traf der Terror der RAF in den 1970ern vor allem die Eliten, kann heute jeder Opfer werden. "Die Taten geschehen an Orten, wo jeder von uns sein kann", beschreibt Bundeskanzlerin Angela Merkel diese neue Unsicherheit.

Früher mussten die Sicherheitsbehörden nur die ideologisch gefestigten Terroristen dingfest machen, deren Rekrutierung eine hohe Anstrengung erforderte. Das galt auch für die Attentäter vom 11. September 2001. Heute bedarf es aufseiten der Terroristen keines großen logistischen Aufwandes mehr. Ein Kleinkrimineller, der eine vermeintliche Erlösung sucht, oder ein psychisch Labiler reichen. Es geht scheinbar darum, möglichst viele zu ermorden. Die Wirkung ist verheerend.

Merkel erkennt die Falle: "Wir bleiben bei unseren Grundsätzen." Zurecht will sie weder "unsere Art, zu leben", noch "unser Verständnis von Freiheit und Sicherheit" infrage stellen lassen. Schon gar nicht will sie sich in einen Sicherheitsstaat oder in einen Religionskrieg treiben lassen. Ihre Warnung, die Täter wollten "Hass und Angst zwischen Kulturen und in unserer Gesellschaft" säen, sollte sich alle hinter die Ohren schreiben. Jenseits der eingeleiteten Maßnahmen gilt ihr Grundsatz: Gelassenheit bewahren, sich treu bleiben.

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