Kommentar zur Terrordrohung in München
Zwei hässliche Gespenster begleiten uns ins neue Jahr

Bleigießen, Fondue, Feuerwerk, Anstoßen mit Sekt, gute Vorsätze - schön sind die Bräuche zu Silvester. Und doch lässt sich die Wahrheit nicht verdrängen, dass mit dem Mitternachtsläuten und dem Beginn des neuen Jahres eben nicht alles bei Null beginnt. Manche Gespenster bleiben einfach. Besonders die mit den hässlichsten Fratzen.

So wurde uns rechtzeitig zum Jahreswechsel durch den Terroralarm in München ins Gedächtnis zurückgerufen, dass die religiösen Fanatiker des Islamischen Staates mit Sicherheit nicht vorhaben, die Welt 2016 mit ihren vom Hass getriebenen Aktionen zu verschonen. Man muss kein absoluter Schwarzseher sein, um zu ahnen: Irgendwann könnte diesen verblendeten Anti-Menschen auch in Deutschland gelingen, was sie sich vorgenommen haben. Aber wie schon 2015, so gilt auch im neuen Jahr: Sobald wir unser Leben aus Furcht vor IS und Konsorten auch nur ein bisschen ändern, haben die Terroristen gewonnen.

Das andere, widerwärtige Gespenst, das sich ins neue Jahr herübergerettet hat, ist die Stimmungsmache aus der rechten Ecke. Pegida-Initiator Lutz Bachmann nutzte den Kurznachrichtendienst Twitter an Silvester, um die Lage in München natürlich für seine Zwecke zu missbrauchen: "Alle Welcome-Klatscher haben sich umgehend am Hauptbahnhof München einzufinden!", schrieb er. Heißt übersetzt wohl: Wer Flüchtlinge in Deutschland willkommen heißt, möge sich zur Strafe der Gefahr aussetzen, in die Luft gejagt zu werden.

Hass und Hetze der deutschen Untergangspropheten - auch das wird uns 2016 nicht erspart bleiben. Sobald wir uns aber davon den gesunden Menschenverstand vergiften lassen, haben die Terroristen doppelt gewonnen. Denn Provokateure wie Bachmann und die IS-Krieger arbeiten Hand in Hand - als Botschafter der Angst.

frank.stuedemann@derneuetag.de
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