Kommentar zur Türkei
Mit seiner Politik führt Erdogan sein Land in die Instabilität

Freiheit ist in der Türkei nur die Freiheit, die sich bedingungslos der Politik der regierenden AKP und ihres Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan unterordnet. Das müssen türkische Journalisten, Politiker und Bürger schon seit langer Zeit erleben. Das erleben nun auch deutsche Journalisten. Wenig überraschend ist daher, dass das türkische Außenministerium wegen einer deutschen Satiresendung den deutschen Botschafter einbestellt.

Die AKP-Regierung weiß um die Machtposition ihres Landes als "Türsteher am Bosporus". Für die Europäer gilt weiter, worauf schon vielfach hingewiesen wurde: So lange sie nicht willens sind, dem Flüchtlingsstrom aus eigener Kraft entgegenzutreten oder aufzunehmen und gerecht unter sich aufzuteilen brauchen sie die Türkei.

Doch die Europäer sollten sich nicht auf die Türkei verlassen. Das Land mit seinen rund 78 Millionen Einwohnern droht selbst in den Strudel der Instabilität im Nahen Osten hineingezogen werden. Dazu trägt der von Erdogan im Juli 2015 neu entfachte Bürgerkrieg im Osten des Landes bei. Dieser hat nicht nur die Aussöhnung mit den Kurden beendet, sondern inzwischen mehr als 4000 Menschenleben gefordert.

Dazu trägt aber auch das erbarmungslose Vorgehen gegen andere Minderheiten bei, wozu die jüngste Verstaatlichung der Kirchen in Diyarbakir zählt. Christen fühlen sich als Bürger zweiter Klasse. Für sie ist die Türkei ein zunehmend unwirtlicher Ort, so wie manches arabische Nachbarland.

Vor einem Jahr ergab eine Umfrage, dass jeder fünfte Türke Gewalt im Namen des Islams rechtfertigt. Diese Haltung befeuert Erdogan zeitweise durch seine religiös gefärbte Hetze gegen Andersdenkende oder andere Religionen. Sollte Erdogan die Türkei weiter auf diesem Weg führen, könnte der vermeintliche "starke Mann vom Bosporus" in seinem Land ein Höllenfeuer entfachen.
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