Kommentar zur Überstunden-Statistik
Wirtschaft bleibt nur mit gesunden Beschäftigten fit

Nachdem die Wirtschaft auf Hochtouren brummt und sich die Exportrekorde überschlagen, überrascht die Zahl eigentlich nicht: Im vergangenen Jahr fielen 1,8 Milliarden Überstunden an. Hier spielt der inzwischen akute Arbeitskräftemangel hinein; in zahlreichen Regionen Deutschlands herrscht Vollbeschäftigung und die Nachfrage nach qualifizierten Leuten ist weit höher als das Angebot am Arbeitsmarkt.

Der berufliche Einstieg von bisher 30 000 Flüchtlingen ist in diesem Kontext nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Das Eigeninteresse der Unternehmen dürfte die Integrations-Anstrengungen nachdrücklich befeuern ...

Doch die pumperlg'sunde Wirtschaft erweist sich zunehmend ungesund für die lohnabhängigen Beschäftigten. Jeder Zweite klagt über Probleme mit "Rücken, Nacken, Schultern", die erwiesenermaßen im direkten Zusammenhang mit der psychischen Belastung stehen. In dieses Bild passt auch die jüngste DGB-Umfrage, nach der jeder dritte Arbeitnehmer Urlaubstage verfallen lässt. Die Studie reklamiert die "Entgrenzung von Arbeit und Freizeit", in Neudeutsch auch Life-Balance genannt. An diesem Gleichgewicht von Arbeit und Erholung hapert es zunehmend. Es gehört vielfach zur Normalität, vor dem Schlafengehen nochmals die (dienstlichen) Mails zu checken und sofort nach dem Aufwachen - wie ein Ritual - einen Blick auf die in Smartphone oder Tablet aufgelaufenen Nachrichten zu werfen. Die ständige Erreichbarkeit ist in den meisten Wirtschaftsbereichen heute Standard.

Auf Dauer wirkt jedoch diese totale Durchdringung des Lebens kontraproduktiv. Kreativität und erfüllende Freude als die Voraussetzung für den beruflichen Erfolg leiden. Zunehmend erkennen Unternehmen, dass sie langfristig nur florieren, wenn auch bei ihren Mitarbeitern das (seelische) Wohlbefinden stimmt. Und sie kümmern sich deshalb aktiv darum.

clemens.fuetterer@derneuetag.de
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