Kommentar zur US-Präsidentenwahl
Trump for President: Ein Sieg der Dreistigkeit über die Vernunft

Donald Trump wird US-Präsident. Bild: dpa

Irgendwie hat man es ja kommen sehen. Und dennoch reibt man sich die Augen. Wider alle Prognosen wird Donald Trump der 45. Präsident der Vereinigten Staaten. Hillary Clinton ist abgeschmiert. Es ist ein Sieg der Dreistigkeit über die Vernunft, ein Sieg des Außenseiters über die Erfahrung, ein Triumph des Selfmade-Man über das Establishment. Kurzum: eine schlichtweg abenteuerliche Wahl.

Trump for President? Damit zieht die Unberechenbarkeit ein ins Weiße Haus. Will er wirklich die Folter wieder einführen? Wird er tatsächlich eine Mauer bauen an der Grenze zu Mexiko? Will er tatsächlich alle Muslime des Landes verweisen? Was wird er anstellen, um die acht Jahre der Obama-Administration so schnell wie möglich vergessen zu machen? Wie wird er agieren als oberster Befehlshaber der mächtigsten Armee der Welt? Und: Kann er sich im Zaum halten, die Nuklearcodes immer am Mann?

Für knapp die Hälfte der Amerikaner ist Trumps Wahl ein Alptraum. Für die überwiegende Mehrheit der Deutschen - inklusive Bundesregierung - ein Schock. Bleibt nur die vage Hoffnung, dass auch für einen Donald Trump gilt, was sich bei Ronald Reagan erwies. Auch Reagan war - zumindest aus deutscher Sicht - ein unmöglicher Kandidat. Alles in allem aber entpuppte er sich dann doch als halbwegs passabler Präsident.

Das Amt kann den Inhaber formen, die Institutionen können auch einen Narzissten und Egomanen wie Trump einhegen - ein Problempräsident aber dürfte Trump bleiben. Vor allem, weil er durchregieren kann - mit einer republikanischen Mehrheit auch in Senat und Repräsentantenhaus.

Amerika steht vor einer Konterrevolution, einem fundamentalen Wandel. Doch damit nicht genug: Mit Trumps Wahl bekommen die Populisten weltweit Auftrieb. Sein Sieg bedeutet Rückenwind für Norbert Hofer bei der Wiederholung der Präsidentenwahl in Österreich Anfang Dezember. Und für die Rechtsnationalistin Marine Le Pen bei der Präsidentenwahl in Frankreich im Frühjahr. Und für die AfD. Das ist mehr als ein Grund zur Beunruhigung.

albert.franz@oberpfalzmedien.de
4 Kommentare
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C. Schmitz aus Regensburg | 09.11.2016 | 17:23  
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Ludwig Dierl aus Waidhaus | 09.11.2016 | 18:32  
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Stefan Kreuzeck aus Pfreimd | 09.11.2016 | 19:02  
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Dr. Peter Steinbock aus Eschenbach in der Oberpfalz | 09.11.2016 | 20:05  
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