Kommentar zur US-Wahl
Donald Trumps gespaltene Staaten von Amerika

"This is not America" sang David Bowie in den 80er Jahren - "dies ist nicht Amerika". Ganz egal, wer heute Nacht die Wahl gewinnt, ganz egal, wer ins Weiße Haus einzieht: Die Vereinigten Staaten von Amerika sind nicht mehr dieselben wie zu Beginn dieses Wahlkampfs, der zu einer dreckigen Schlammschlacht ausgeartet ist, wie man sie noch nie zuvor gesehen hat.

Schon als Barack Obama vor acht Jahren zum ersten Mal gewählt wurde, ging ein Riss durch die Nation, der die Gesellschaft scheinbar in zwei Hälften teilte: auf der einen Seite die Verlierer des Kapitalismus, Minderheiten, Migranten, Mittelständler - auf der anderen die Gewinner, die weiße Oberschicht. Obama erschien den einen als allmächtiger Heilsbringer, den anderen als Teufel, der ihnen "ihr Amerika" wegnehmen wollte. Am Ende war er nichts von beidem.

Der republikanische Milliardär Donald Trump weiß, wie man die Kluft zwischen den gefühlten Gewinnern und Verlierern in den USA noch weiter aufreißt. Das hat er in den vergangenen Monaten bewiesen. Seine Zielgruppe sind vor allem die enttäuschten, abgehängten weißen Wähler, die jetzt dem Washingtoner Polit-Establishment, personifiziert durch die Demokratin Hillary Clinton, eine Abreibung verpassen wollen. Dabei scheint egal zu sein, was er im Falle seiner Wahl tatsächlich tun würde - Hauptsache, keiner der alten Machtelite kommt ins Oval Office.

Trump wiederum scheint egal zu sein, welchen Schaden sein Wahlkampf hinterlassen wird. Es scheint ihn nicht zu kümmern, wer den offenen Hass abbekommt, den er befördert hat. Sollte der 70-Jährige gewählt werden, wird für seine Anhänger die Ernüchterung folgen: Der große Zampano wird die Staaten von Amerika nicht "großartig" machen, wie versprochen, sondern nur eines: weniger vereinigt.

frank.stuedemann@oberpfalzmedien.de
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