Kommentar zur US-Wahl
Trump wird Obamas ohnehin dürftiges politisches Erbe zerstören

Für den scheidenden US-Präsidenten Barack Obama heißt es nun, Zähne zusammenbeißen und Haltung bewahren. Der Wahlsieg von Donald Trump ist für ihn eine noch vernichtendere Niederlage als für Hillary Clinton. Sie muss ihren Traum begraben, als erste Frau ins Weiße Haus einzuziehen. Obama wird zwar als erster farbiger Präsident der USA in die Geschichtsbücher eingehen, aber mehr wird von seinem politischen Erbe nicht bleiben.

In den nächsten Monaten wird der Demokrat erleben müssen, wie der Mann, den er vor fünf Jahren beim Korrespondenten-Dinner im Weißen Haus gedemütigt hat, das wenige, was er innenpolitisch erreicht hat, über den Haufen wirft. Im Frühjahr 2011 zählte Trump zu jenen, die bestritten, dass Obama in den USA geboren worden ist, was Voraussetzung ist, um Präsident zu werden. Obama zeigte beim Dinner seine Geburtsurkunde und spottete über den Milliardär, der in der Runde der Journalisten saß. Trump könne sich nun, da das Problem mit der Geburtsurkunde geklärt sei, wieder wichtigeren Dinger zuwenden, sagte der Demokrat - wie: "Haben wir die Mondlandung vorgetäuscht? Was geschah wirklich in Roswell? Wo sind Biggie und Tupac?"

Es ist Aufgabe der Historiker zu klären, ob dieser Abend als der Startschuss für Trumps Griff nach dem Präsidentenamt zu sehen ist. Gäste des Dinners, die Trump während der Witze Obamas auf Kosten des Milliardärs beobachten konnten, berichteten nachher, dem Egomanen sei anzusehen gewesen, wie tief er sich gedemütigt gefühlt haben muss. Ähnlich dürfte sich Obama wegen der Zweifel an seinem Geburtsort gefühlt haben. Diese spiegeln den in den USA noch immer alltäglichen Rassismus wider. Bei einem Weißen wäre eine derartige Frage nie gestellt worden.

Für beide Politiker gilt nun angesichts dieser Vorgeschichte, dass sie nur gewinnen können, wenn sie sich beim Amtswechsel staatsmännisch verhalten.

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